Alpinforum 2025
Beim Alpinforum 2025 wurde das Projekt DIGIWAY einem Fachpublikum aus den Bereichen Bergsport, alpine Sicherheit und Digitalisierung vorgestellt. Ein besonderer Meilenstein dabei: Erstmals wurde die Ausgesetztheitskarte einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.


DIGIWAY und die Ausgesetztheitskarte
Aus dem Tiroler Projektteam präsentierten Lucia Felbauer, Klaus Pietersteiner und Christoph Kovacs zentrale Ergebnisse und Entwicklungen des DIGIWAY‑Projekts. Ein besonderer Meilenstein war dabei die erstmalige Vorstellung der Ausgesetztheitskarte für eine breitere Öffentlichkeit. Diese wurde bereits im Vorfeld gemeinsam mit beteiligten Stakeholdern im Gelände evaluiert und hinsichtlich ihrer Aussagekraft überprüft. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung mit der Realität und unterstreichen den praktischen Nutzen der Karte.
Die Ausgesetztheitskarte macht sichtbar, welche Konsequenzen ein möglicher Sturz entlang von Wander- und Bergwegen haben kann. Damit ergänzt sie bestehende Informationen zur Wegeschwierigkeit um einen zentralen Aspekt und ermöglicht eine fundiertere Einschätzung bereits im Rahmen der Tourenplanung.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass die Karte vielfältige Einsatzmöglichkeiten bietet: Sie kann als Instrument zur Unfallprävention, zur Unterstützung bei der Tourenplanung sowie als Grundlage für die Wartung und Priorisierung von Infrastrukturmaßnahmen dienen. Im Rahmen des Alpinforums wurde auch betont, dass die Idee weiterentwickelt und von anderen Institutionen aufgegriffen werden kann. Der aktuelle Datensatz umfasst die Euregio Tirol – Südtirol – Trentino und kann über eine Schnittstelle in verschiedene Anwendungen und Plattformen eingebunden werden.

Walter Würtl zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Wegeklassifikationen auf und präsentiert einen Ansatz zur klaren Trennung zentraler Bewertungskriterien. © Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com / ÖKAS

Wegeklassifikation und Risikokommunikation
Ein weiterer Vortrag aus dem DIGIWAY-Projekt widmete der sich der Fragestellung, wie Wegeklassifikationen verständlicher und vergleichbarer dargestellt werden können. Walter Würtl zeigte dabei zentrale Herausforderungen in der derzeitigen Einteilung von Wander- und Bergwegen auf und stellte neue Ansätze aus dem DIGIWAY-Projekt vor.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Vielzahl unterschiedlicher Klassifikationssysteme im Alpenraum häufig zu Verwirrung führt. Unterschiedliche Begriffe, Farben und Kriterien erschweren eine realistische Einschätzung der Anforderungen eines Weges. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Unfälle oft auch „wegebedingt“ sind und eng mit der Schwierigkeit und Ausgesetztheit eines Weges zusammenhängen. Ein zentraler Ansatz ist daher die klare Trennung von technischer Schwierigkeit und Konsequenzen eines Sturzes. Ein technisch einfacher Weg kann durchaus stark ausgesetzt sein und im Falle eines Absturzes schwerwiegende Folgen haben. Umgekehrt können technisch anspruchsvolle Wege geringere Konsequenzen aufweisen. Diese Differenzierung wird im Projekt gezielt aufgegriffen.
Darauf aufbauend wurde aufgezeigt, wie eine nachvollziehbare und einheitlichere Kommunikation von Anforderungen und Risiken aussehen kann. Ziel ist es, verlässliche Informationen zum Wegverlauf, zur technischen Schwierigkeit und zur Ausgesetztheit bereitzustellen – und damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Tourenplanung zu schaffen.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Entwicklung eines digitalen Vergleichstools für Wegeklassifikationen vorgestellt. Dieses soll es künftig ermöglichen, unterschiedliche Bewertungssysteme verständlich gegenüberzustellen und damit insbesondere bei grenzüberschreitenden Touren Orientierung bei den Wegeklassifikationen zu bieten.
Der Vortrag unterstrich damit die zentrale Bedeutung klarer und nachvollziehbarer Informationen für die Unfallprävention. Nur wenn Anforderungen und Risiken verständlich kommuniziert werden, können Bergwander:innen ihre Touren realistisch einschätzen und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen.
Weiterführende Informationen
Zu beiden Vorträgen im Rahmen des Alpinforums sind ausführliche Blogbeiträge beim Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit erschienen, in denen die Inhalte vertiefend dargestellt werden: Bericht # 3.3: Euregio-Projekt DIGIWAY und Bericht # 3.4: Wegeklassifizierung beim Bergwandern
Weiterführende Informationen stehen im Bereich „Produkte und Ergebnisse“ zur Verfügung: siehe dazu Ausgesetztheitskarte und Vergleichstool für Wegeklassifikationen.
Ein besonderer Dank gilt dem Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit für die Einladung sowie das große Interesse am Projekt und seinen Ergebnissen. Der Austausch mit den zahlreichen beteiligten Stakeholdern hat einmal mehr gezeigt, wie relevant das Thema ist und wie wichtig die weitere Zusammenarbeit in diesem Bereich bleibt.
Kontakt

Provinz Trient / Dienststelle für Sport und Tourismus
Emma Giacomelli Boldrini
Via Romagnosi 9, I-38122 Trient
Land Tirol / Abteilung Forstorganisation
Lucia Felbauer
Bürgerstraße 36, A-6020 Innsbruck

