Mit der Reform der Gemeindeverwaltungen im Februar 1926 ersetzte das faschistische Italien die gewählten Volksvertreter in den Gemeinden durch staatliche Amtsbürgermeister, den Podestà. Das Gesetz sah zunächst die Einsetzung eines Podestà in kleineren Gemeinden (bis 5.000 Einwohner) und erst in einer zweiten Phase für größere Städte vor. In den Städten des Trentino und in Südtirol jedoch wurden die gewählten Bürgermeister und Gemeinderäte bereits früher abgesetzt und durch kommissarische Verwaltungen (commissari prefettizi) ersetzt.
Bei den Podestà in Südtirol handelte es sich meist um Italiener aus den sogenannten alten Provinzen oder aus dem Trentino, die häufig mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut und ihrer Aufgabe nicht immer gewachsen waren. Über den neuen Podestà in Prad am Stilfserjoch, der an der Fronleichnams- und Antoniusprozession teilnahm und damit nicht ganz diesem Bild zu entsprechen schien, berichtet der Volksbote am 10. Juni 1926:
„Unsere Gemeinde erhielt mit Montechiaro (Lichtenberg) und Stelvio in der Person des Herrn Johann Callegari einen Amtsbürgermeister. Da dieser schon etliche Jahre als Geschäftsmann hier wohnt, kennt er auch unsere Verhältnisse, weiß mit dem Volke zu verkehren, spricht und schreibt beide Sprachen und was für uns auch ins Gewicht fällt, gibt auch Gott, was Gottes ist. Bei der leider verregneten Fronleichnamsprozession begleitete er das Allerheiligste mit brennender Kerze. Ebenso heute bei der St. Antoniusprozession. Herr Callegari übernahm das Amt vom letzten autonomen Vorsteher unserer Gemeinde, Herrn Alois Mailänder, der dasselbe seit 1922 vereint mit dem scheidenden Ausschuß nach bestem Wissen und Gewissen in hingebungsvoller Pflichttreue beispielgebend für alle Nachfolger bis jetzt versah. Ihm und seinen treuen Mitarbeitern sei für die Mühe ein tausendfaches ‚Vergelt’s Gott!‘ gesagt!“