Die „Fußballfrage“ im Trentino
Zwischen lokaler Entwicklung und nationaler Integration

Fußballspiel in Trient auf der Piazza d’Armi (heutige Piazza Venezia) zwischen der Sport Pedestre aus Trient und der Società sportiva Benacense aus Riva del Garda anlässlich der Feste Vigiliane im Juni 1913, © Stiftung Museo storico del Trentino

Obwohl im Trentino bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Fußball gespielt wurde, war der Sport vor rund hundert Jahren noch wenig verbreitet und organisatorisch schwach aufgestellt. Die Unione Ginnastica und die Polisportiva Sport Pedestre in Trient nahmen als erste Sportvereine auch Fußball in ihr Programm auf, als Spielfeld diente die Piazza d’Armi, heute Piazza Venezia. Mit der Gründung von Pro Trento (später Associazione Calcio Trento) gewann die Sportart an Struktur und Profil, dennoch entwickelte sich der Fußball nur langsam: Es fehlte an funktionierenden Meisterschaften sowie an einer stabilen Organisation.
In den 1920er Jahren forderten Vereine aus dem Trentino verstärkt eine bessere Einbindung in den italienischen Fußballbetrieb. Sie verlangten klar geregelte Meisterschaften, stärkere Unterstützung durch den nationalen Verband und den Aufbau regionaler Strukturen. Gleichzeitig hatte der Sport auch eine politische Dimension: Fußball wurde als Mittel gesehen, um die sogenannten neuen Provinzen stärker in den Staat zu integrieren und ein nationales Zugehörigkeitsgefühl zu fördern. Dies unterstrich auch der Mailänder Schiedsrichter und Journalist Giuseppe Cavazzana in Il Nuovo Trentino vom 25. April 1926:
„Seit acht Jahren […] findet die Trentiner Fußballfrage keine gangbare und würdige Lösung. Die Verbandsorgane betrachteten sie als eine nebensächliche Angelegenheit, wegen des Mangels an geeigneten Kräften und des geringen technischen Niveaus der Sportvereine […] Die Trentiner Frage muss jedoch mit einem ganz anderen Geist betrachtet werden, denn sie ist vor allem und in erster Linie eine richtiggehende nationale Angelegenheit […]. Ebenso wie das Fußballspiel im Süden Italiens aktiv verbreitet wurde, […], so muss das Fußballspiel im Trentino und im Alto Adige gefördert werden, um höheren moralischen Bedürfnissen und nationaler Disziplin gerecht zu werden. […]
Profitiert man vom sportlichen Aufschwung im Trentino, der durch die Coppa Toffenetti entstanden ist, an der in dieser Phase auch Mannschaften aus Bozen und Meran teilnehmen, sollte der Verband zu Beginn der Saison 1926–1927 eine Tournee der starken und angesehenen Erstligamannschaft im Trentino und in Südtirol vorsehen; an die italienische Meistermannschaft selbst zu denken, wäre vielleicht zu vermessen. Der Verband sollte sich an den Kosten beteiligen, soweit diese nicht von den ausrichtenden Vereinen getragen werden können. Das Interesse des Publikums an einer gut organisierten und bedeutenden Tournee würde auch die Austragung einer Coppa della Venezia Tridentina fördern, die von der Liga Nord der Vereine der III. und IV. Division ausgelobt werden sollte […]. Durch die Durchführung dieses Turniers ohne Pflicht zur Spielerregistrierung und mit offiziellen, teils bereits verfügbaren und teils noch auszubildenden Schiedsrichtern in der Region selbst würden die Grundlagen für eine disziplinierte und selektive Teilnahme an späteren Meisterschaften geschaffen, sobald günstigere Bedingungen vollständig gereift sind. […]
Der Verband möge in seiner verantwortungsvollen Aufgabe den gemeinsamen Willen berücksichtigen, der zugleich der Wille der Trentiner ist. Er solle sich davon überzeugen, dass es sich um ein Vorhaben von hoher kultureller, sozialer und nationaler Tragweite handelt, das lediglich eine – letztlich geringe! – finanzielle Anstrengung sowie eine harmlose Anpassung der Verbandsrichtlinien erfordert, für einen Landstrich, der von einer reinen und leuchtenden Leidenschaft erfüllt werden möchte.“
Maria Pichler
Kontakt
Generalsekretariat des EVTZ "Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino"
Waaghaus - Laubengasse 19/A, I-39100 Bozen