Die Ergebnisse aus der Befragung zur Arbeitszeitqualität in Tirol, Südtirol und Trentino legen eine Schieflage bei der Arbeitszeitverteilung offen. Auf der einen Seite offenbart der geschlechtsspezifische Vergleich das hohe Ausmaß an weiblicher Teilzeit: In Südtirol und Tirol ist die Hälfte der erwerbstätigen Frauen nicht vollzeitbeschäftigt, wobei jede vierte Tirolerin in einer kurzen Teilzeit von maximal 20 Stunden arbeitet. Dass dies vielfach nicht den Vorstellungen der Beschäftigten entspricht, zeigt das Ergebnis der gewünschten Stundenaufstockungen von Teilzeitbeschäftigten: Mehr als jede vierte Teilzeitkraft in der Europaregion strebt ein höheres Arbeitsausmaß als derzeit an. Hinzu kommt die unbezahlte verlorene Zeit durch lange Pendelstrecken, welche sich bei Teilzeitbeschäftigten kaum von Berufstätigen in Vollzeit unterscheidet und gerade in Tirol besonders hoch ist.
Auf der anderen Seite zeigen sich lange Arbeitstage, zeitintensive Arbeitswochen und Nachtarbeit. Der größte Anteil an zeitintensiven Arbeitswochen von mindesten 48 Wochenstunden konnte mit 13 Prozent in Südtirol in den Daten gemessen werden, gefolgt von der Arbeit in Tiroler Betrieben. In Tirol konnten im Vergleich zu Italien auch längere Arbeitstage gemessen werden. Hingegen sticht Tirol hinsichtlich der geleisteten üblichen Arbeitstage im Euregio-Vergleich positiv hervor. Mit einem Anteil von 88 % an Tiroler Berufstätigen, die ihre Arbeit an maximal 5 Tagen pro Woche leisten, bleibt für die große Mehrheit die Anzahl der Arbeitstage in einem Rahmen, der sich mit dem Privat- und Freizeitleben vereinbaren lässt.
Auf Branchenebene zeigt sich, dass Arbeitgeber in Land- und Forstwirtschaft, dem Baugewerbe sowie der Hotellerie und Gastronomie nicht nur in einer früheren Erhebung aus dem Jahr 2021 jene Branchen waren, in denen überlange Arbeitszeiten zum beruflichen Alltag gehörten, sondern das auch heute weiterhin der Fall ist. Besonders im für die Europaregion so wichtigen Tourismus sieht man in der neu konzipierten Studie ein Bild der Gegensätze. Die Branche ist durch eine Polarisierung zwischen sehr langen Arbeitszeiten einerseits und kurzen Stundenmodellen andererseits geprägt.
Arbeiterkammer Tirol

