Seit mehr als 40 Jahren arbeiten die land- und hauswirtschaftlichen Schulen in Tirol, Südtirol und Trentino im „Ring Landwirtschaftlicher Lehranstalten“ zusammen. Als „Euregio-Ring der land- und hauswirtschaftlichen Schulen“ haben sie am 15. April in Tirol ihre Kooperation erneuert: Bei einem Festakt in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Rotholz wurde das neue Abkommen samt Logo und Urkunde im Zeichen der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino vorgestellt. Die erneuerte Urkunde wird von den Landeshauptleuten und den zuständigen Landesräten und Landesrätinnen der Euregio-Länder sowie den Direktorinnen und Direktoren aller elf beteiligten Schulen unterzeichnet. Ziel dieser Kooperation ist es, den Austausch, gemeinsame Projekte und Bildungsprogramme zu fördern sowie grenzübergreifende Kontakte und Beziehungen zu stärken.
Grenzübergreifende Verbundenheit
Der Euregio-Präsident, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle, betonte: „Die Schulen beabsichtigen, ihre Beziehungen zu fördern, fachliche Kontakte gezielt auszubauen, Ausbildungsprogramme wechselseitig zugänglich zu machen und sich bei der Erfüllung des Bildungsauftrags für junge Menschen im ländlichen Raum zu unterstützen. Hier wird der Euregio-Gedanke in seiner grenzenlosen Kraft umgesetzt – gemeinsam. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Gedanke bereits bei Kindern und Jugendlichen gelebt werden muss.“
An die Ring-Gründung im Landesgedenkjahr 1984 erinnerte der für Land- und Forstwirtschaft zuständige Tiroler Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler: „In all diesen Jahren haben sich die Schulen außerordentlich aktiv ausgetauscht und in vielen Gemeinschaftsprojekten zusammengearbeitet. Damit erweist sich der ländliche Raum und das land- und hauswirtschaftliche Bildungswesen weiterhin als Vorbild für die Pflege der gemeinsamen kulturellen Identität im Euregio-Gebiet, das unser gemeinsames Erbe respektiert und die grenzübergreifende Verbundenheit lebt.“
Konferenzen, Bildung, Projekte, Kultur und Sport
Jährlich organisieren die Schulen gemeinsam eine Direktorenkonferenz, einen Kulturtag, Projektwochen, einen Wintersporttag sowie Fortbildungen für Lehrkräfte, wie der Südtiroler Landesdirektor für deutschsprachige Berufsbildung, Peter Prieth und Claudia Bisognin von der Trentiner Stiftung Edmund Mach in San Michele all’Adige berichteten.
Im Rahmen des Festakts wurden auch die Ergebnisse des gemeinsamen Kulturtags an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Rotholz vorgestellt: Dabei haben sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte aus der gesamten Euregio unter dem Motto „Zomm“ (gemeinsam) mit land- und hauswirtschaftlichen, aber auch kulturellen Fertigkeiten und den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der regionalen Dialekte auseinandergesetzt.
ROTHOLZ (LPA)
gst
Zusatzinformationen
Euregio-Ring land- und hauswirtschaftlicher Schulen: Die Details
Geschichte
- Der Tiroler Landtag beschloss 1868 die Gründung landwirtschaftlicher Schulen in Rotholz und San Michele all’Adige, die ab 1874 bzw. 1879 ihren Betrieb aufnahmen.
- Die agrarische Ausbildung war historisch eng zwischen den Landesteilen Tirol, Südtirol und Trentino verknüpft; nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten Südtiroler SchülerInnen meist Schulen in Nordtirol, eigene Schulen entstanden erst ab den 1950er-Jahren.
- 1983 wurde ein Partnerschaftsvertrag zwischen Rotholz und San Michele unterzeichnet.
- 1984 gründeten alle Tiroler und Südtiroler Schulen den „Ring Landwirtschaftlicher Lehranstalten“, der die Zusammenarbeit förderte.
- Die Vision von Austausch und disloziertem Unterricht scheiterte zunächst an Grenzbalken und versicherungsrechtlichen Fragen, entwickelte sich aber mit der Zeit zu einer Erfolgsgeschichte.
- Im Jahr 1996 wurde die Stiftung Edmund Mach aus Trentino in den Ring aufgenommen, wodurch die Zusammenarbeit weiter gestärkt wurde.
Euregio-Ring heute
- Gründe für ein neues Abkommen und Logo: Die Rahmenbedingungen haben sich bis heute verändert: Aus zwei sind elf beteiligte Schulen geworden, einige Standorte wurden verlegt und Schuldirektionen teilweise zusammengelegt; die Hauswirtschaft wird als gleichwertiger Ausbildungsschwerpunkt gesehen.
- Im Schuljahr 2025/26 besuchen rund 3.000 SchülerInnen die elf Schulen der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino, etwa 500 nehmen an grenzübergreifenden Veranstaltungen teil.
- Zu den gemeinsamen Projekten des Rings zählen Mobilitätswochen, Wintersporttage, landwirtschaftlich-alpine Fachwettbewerbe, der Hauswirtschafts-Award, Gesamttiroler Kulturtage und jährliche Fortbildungen für Lehrkräfte.
- Seit 2023 vergibt die Euregio die Auszeichnung „Euregio-Schulpartnerschaft“ für Schulen, die mit einer Schule aus einem anderen Landesteil kooperieren. Viele land- und hauswirtschaftliche Schulen nehmen auch im Schuljahr 2026/27 wieder daran teil.
Elf Schulen
Folgende Schulen gehören dem Ring an:
Tirol
- Imst – Fachschule für Landwirtschaft, Betriebs- und Haushaltsmanagement
- Landeck-Perjen – Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement
- Lienz – Fachschule für Landwirtschaft, Betriebs- und Haushaltsmanagement
- Rotholz –Fachschule für Landwirtschaft, Betriebs- und Haushaltsmanagement
- St. Johann i. T. – Fachschule für Landwirtschaft, Pferdewirtschaft, Betriebs- und Haushaltsmanagement
Südtirol
- Dietenheim – Fachschule für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung
- Fürstenburg, Kortsch – Fachschulen für Land- und Forstwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung
- Haslach, Neumarkt, Tisens – Fachschulen für Hauswirtschaft und Ernährung
- Laimburg – Fachschule für Obst- und Weinbau, Kellerwirtschaft, Gärtner:innen, Florist:innen, Lebensmitteltechniker:innen und Winzer:innen
- Salern –Fachschule für Land- und Hauswirtschaft
Trentino
- San Michele all’Adige –Stiftung (Fondazione) Edmund Mach: Bildungs- und Forschungszentrum für Landwirtschaft, Bioökonomie, Ökologie, Biodiversität, Umwelt, Ernährung und Forstwirtschaft




