LPA. Historische, rechtliche und internationale Perspektiven auf den Pariser Vertrag vereint die neue Broschüre des Landes Südtirol zum 80. Jahrestag des Gruber-De-Gasperi-Abkommens. Zu Wort kommen Experten wie Carlo Romeo, Hans Heiss, Walter Obwexer und Esther Happacher, die Diplomaten Gregor Schusterschitz und Fernand de Varennes sowie die Südtiroler Journalistin Lilli Gruber.
Die Publikation wurde von der Agentur für Presse und Kommunikation auf Anregung von Landeshauptmann Arno Kompatscher herausgegeben. "Unsere Idee war es, die Bedeutung und Tragweite des Pariser Vertrags aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten: historisch, juridisch und gesellschaftspolitisch, aber auch im Lichte des Völkerrechts und aktueller Entwicklungen", unterstreicht Abteilungsdirektorin Claudia Messner.
Die Perspektive der Historiker
Carlo Romeo zeigt auf, dass das bilaterale Abkommen zwischen zwei Ländern, die als Verlierer aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen waren, auf internationaler Ebene wichtige Grundsätze verankerte.
Hans Heiss nimmt das Abkommen von 1946 zum Ausgangspunkt für einen Streifzug durch die Südtiroler Geschichte. In Zehnjahresschritten zeichnet er die Entwicklung nach und wagt schließlich sogar eine Prognose für die Zukunft.
Werner Pescosta richtet den Blick auf die ladinische Minderheit. Sie war im De-Gasperi-Gruber-Abkommen nicht berücksichtigt worden und erhielt erst in weiterer Folge umfassendere Formen des Schutzes.
Der Pariser Vertrag von außen betrachtet
Der österreichische Botschafter Gregor Schusterschitz betont in seinem Beitrag, dass das Abkommen zwar seinerzeit von vielen als unzureichender Ersatz für das ersehnte Selbstbestimmungsrecht angesehen wurde, sich langfristig aber als solide Grundlage für eine friedliche Lösung der Südtirolfrage erwiesen hat.
Fernand de Varennes, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, erklärt im Interview, dass der Erfolg der Südtiroler Autonomie auf Inklusion, Verhältnismäßigkeit, Gleichbehandlung und dem Schutz der Sprachen beruhe. Er regt an, die Erfahrungen Südtirols als Modell für die Lösung internationaler Minderheitenkonflikte zu teilen.
Zwei besondere Einblicke
Walter Obwexer und Esther Happacher widmen sich dem diplomatischen Notenwechsel zwischen Italien und Österreich nach der Streitbeilegungserklärung 1992. Sie zeigen auf, wie sich aus der Lösung der internationalen Kontroverse eine besondere Form der bilateralen Zusammenarbeit entwickelte.
Einen persönlichen Blick auf die Geschichte des Pariser Vertrags eröffnet die Journalistin Lilli Gruber. In ihrem Beitrag fordert sie aufgrund ihrer Erfahrungen als Südtirolerin in Verona und später in Rom auf, Sprache und Kultur als Schlüssel für ein gutes Miteinander zu begreifen.
Die Publikation "80 Jahre Pariser Vertrag 1946-2026" findet sich online in der Bibliothek zur Autonomie in den drei Sprachen deutsch, italienisch und ladinisch.
Filmdokumentation zu Verhandlungen zum Pariser Abkommen
Südtiroler Filmemacher Andreas Pichler rekonstruiert historische Verhandlung aus der Sicht der Südtiroler Delegation rund um Friedl Volgger – Dokumentation auf Youtube-Kanälen des Landes abrufbar.
Einen Blick zurück zur Zeit und zu den allgemeinen Bedingungen, unter denen die Verhandlungen des Pariser Vertrages stattfinden, wagt der Dokumentationsfilm "Die Kunst des Kompromissesy. Paris – Südtirol 1946". Regisseur Andreas Pichler zeichnet dabei die Verhandlungen aus der Sicht jener drei Südtiroler, die als Teil der österreichischen Delegation in Paris vor Ort dabei sind, nach.
Der Film wurde im Auftrag des Landes Südtirol erstellt, er ist auf den Youtube-Kanälen des Landes unter https://www.youtube.com/@LRegSuedtirol abrufbar.
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