„Wenn alles nur vorübergeht!“
„Wenn alles nur vorübergeht!“

Die Grundsteinlegung für den Bau des Siegesdenkmals in Bozen, links mit Mitra Fürstbischof Celestino Endrici, rechts davon der italienische König Viktor Emanuel III © Sergio Perdomi, Wikipedia/Public Domain

Grundsteinlegung für das Siegesdenkmal in Bozen
Am 12. Juli 1926 wurde in Bozen der Grundstein für das Siegesdenkmal gelegt. Nach der ursprünglichen Vorstellung des Diktators Benito Mussolini sollte es dem Trientner Irredentisten Cesare Battisti und den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet sein. Die Grundsteinlegung für das Bauwerk von Architekt Marcello Piacentini fand am zehnten Jahrestag von Battistis Hinrichtung statt. Es war ein Tag der politischen Demonstration, zu dem unter anderem König Viktor Emanuel III. nach Südtirol gekommen war. Der Trientner Fürstbischof Celestino Endrici weihte den Grundstein im Rahmen der Feier, über die La Stampa am 12. Juli 1926 berichtete:
„Bozen hat gestern seine Paradeuniform ausprobiert: Der König, der heute Morgen zur Grundsteinlegung des Kriegerdenkmals eintrifft, wird die Stadt in den strahlenden Farben der nationalen Tracht erblicken – einer Tracht, die dieser Stadt sehr gut steht und die wie maßgeschneidert zu den architektonischen Linien ihrer Denkmäler und einiger ihrer Häuser passt. […] Morgen werden zusammen mit den zweihundert Kongressteilnehmern der Kriegsversehrten siebenhundert Kriegsversehrte aus Südtirol und zweitausend Kriegsveteranen vor dem König vorbeiziehen: eben jene, die im Großen Krieg unseren Soldaten gegenübergestanden haben. So wird die Legende widerlegt, die die Zeitungen jenseits der Grenze geschaffen haben: Nach und nach verschmelzen die Anderstämmigen mit den Brüdern des gemeinsamen Vaterlandes. Die Politik der Überzeugung, mit starkem und klugem Willen betrieben, hat endlich die Bergpfade erreicht – jene Pfade, auf denen allein man zur geistigen Eroberung dieser Bevölkerungsgruppen gelangt, gelangt ist und immer besser gelangen wird. […] Bozen ist in eine Stätte des Italienertums, in einen Empfangssaal und in eine Autorennbahn verwandelt. Die Züge haben Tausende und Abertausende von Gästen in die Stadt gespült […]. Man zählt mehr als fünfzigtausend Menschen."
Ein anderes Bild zeichnen die Innsbrucker Nachrichten, die am 3. Juli schreiben:
„Zum Bozner Fest am 12. Juli wird auf einen Massenzuzug aus dem Trentino und den alten Provinzen hingearbeitet. Das Festkomitee sprach bereits davon, daß man 20.000 Betten in der Stadt und in ihrer weiteren Umgebung bis Meran und Brixen werde aufzutreiben suchen. Diese Ankündigung läßt tief blicken. Die Invalidenorganisation, die bei der Gelegenheit der Grundsteinlegung ihren Kongreß hält, nimmt sich kein Blatt vor den Mund und deutet an, daß die Kongreßfeier fünf bis sechs Tage dauern werde. […] Neben dem Invalidenkongreß soll auch der Kongreß aller Ortsgruppen der Bernnerwacht ‚Guardia del Brennero‘ in Bozen stattfinden. Es ist das jener Verein, von dem auch die Anregung stammte, viele Besucher aus Altitalien den Sommer über nach Südtirol zu instradieren, damit die einheimischen Südtiroler das Gefühl bekommen, nicht im eigenen Hause zu leben, sondern als einstweilen Geduldete im Hause eines anderen Herrn. In den Festtagen wird es wohl diesen Anschein haben. […] Der Charakter des Landes wird bei dieser Gelegenheit wieder künstlich gemodelt, wie man ihn gemodelt haben will.
Wenn alles nur vorübergeht! Das sind Worte, die man jetzt von den Einheimischen zumeist hört und das ist auch der Wunsch, der allen am Herzen liegt. […]“
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