Zu den jagdlichen Verhältnissen in Osttirol in den 1920er Jahren
Bis heute hat die Jagd in Tirol die Aufgabe, über das eigentliche Jagen von Tieren hinaus die Artenvielfalt in den Wäldern zu pflegen und das Gleichgewicht in der Natur zu fördern. Diese Hege und Pflege des Wildes jedoch war nach dem Ersten Weltkrieg und den damit verbundenen Folgen für den Wildbestand nicht allen Jägern wichtig, wie R. Mosander in seinem Bericht über „Die jagdlichen Verhältnisse in Osttirol“ scharf kritisierte. Der Artikel war anlässlich der Tiroler Jagdausstellung bei der Innsbrucker Herbstmesse vom 3. bis 10. Oktober 1926 in einer Sondernummer der Münchner Jagdwochenschrift Der Deutsche Jäger erschienen und wurde im Tiroler Anzeiger vom 2. Oktober nachgedruckt:
„Unter Berücksichtigung, daß der südliche Teil von Osttirol seinerzeit von der Kampffront durchzogen war […] ist es immerhin erfreulich, daß sich der Wildbestand doch soweit gehoben hat, daß zum Beispiel in den fünf Jahren 1920 bis einschließlich 1924 erlegt werden konnten: 872 Rehe, 760 Gemsen, 3981 Hasen, 327 Auer- und 471 Birkhähne. Einem weidgerechten Jäger würde es allerdings mehr Freude bereiten, wenn diese Zahlen nicht so hoch wären, denn mehr Schonung wäre zur Wiederherstellung des Wildbestandes früherer Zeiten dringend geboten. […] Diese kleinen Eigenjagden, wegen ihrer Kleinheit auch ‚Schneuztüchljagden‘ genannt, sind dem weidgerechten Jäger ein Dorn im Auge, da sie nur zehren, nicht aber den Wildstand mehren. […] Jeder meint, er könne wohl schießen, vom Nachbarreviere werde schon wieder etwas zuwechseln […], und so spinnt sich die Kette der Gedankenlosigkeit weiter, und jeder schießt und schießt, und keiner hegt! […] Kaum einer legt sich die Frage vor, woher der Nachwuchs kommen soll, und doch sind die meisten dieser Schützen im zivilen Leben Viehzüchter, die doch wissen sollten, daß, gleichwie das Vieh, auch das Wild nicht fertig vom Himmel fällt.“