Die beharrlichen Italianisierungsmaßnahmen in Südtirol blieben im deutschsprachigen Ausland nicht unbemerkt: Bereits in den frühen 1920er Jahren gab es in Österreich und Deutschland eine Reihe von Unterstützervereinen. Diese zeigten sich solidarisch, leisteten Aufklärungsarbeit und organisierten koordinierte Nothilfe in Form von Geldmitteln und Unterrichtsmaterial. Zu diesen Vereinen zählten der Andreas-Hofer-Bund Tirol in Innsbruck, der Deutsche Schulverein (ab 1925 Schulverein Südmark) sowie der Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA), die überwiegend dem deutschnational-völkischen Spektrum der Zwischenkriegszeit zuzuordnen sind. In Wien organisierte der ebenfalls völkisch geprägte Österreichische Gebirgsverein ein „Südtiroler Fest“ mit abschließendem Besuch beim Bundespräsidenten, wie die katholisch geprägte Lokalzeitung Neuigkeits-Welt-Blatt am 21. September 1926 berichtete:
„Zugunsten notleidender Südtiroler veranstaltete der Oesterreichische Gebirgsverein, wie berichtet, ein großes Fest, das förmlich eine Wiederholung des kürzlich stattgefundenen Trachtenfestes bildete. Alle Landsmannschaften der Bundesländer leisteten den zahlreich nach Wien gekommenen Südtirolern treue Gefolgschaft, die Wiener Landsleute, völkische Korporationen, Gesangs- und Turnvereine trugen dazu bei, daß der Einzug der Südtiroler am Samstag, bei dem die jubilierende Speckbacher-Musikkapelle aus Hall den Kernpunkt bildete, ein überaus farbenreiches Bild bot. Vom Westbahnhof bis zum Ballhausplatz bildete ein tausendköpfiges Publikum Spalier [,] namentlich die ganze Mariahilferstraße entlang wurden die Gäste und ihre Begleiter herzlich begrüßt. In die Klänge der Speckbacherkapelle mischten sich die Juchezer der Gebirgler und die Heilrufe der Wiener und der ganze Zug bot eine überaus eindrucksvolle Kundgebung. Ein Ständchen beim Bundespräsidenten bildete den Abschluß der Empfangsfeierlichkeiten. […]
Samstag abends fand im großen Konzerthaussaal ein Wohltätigkeitsfest für Südtirol zugunsten des ‚Hilfsfonds für notleidende Südtiroler‘ statt […]. Die zweite Veranstaltung war ein Festkonzert der Speckbacher Kapelle, die auch gestern nachmittags den großen Konzerthaussaal mit einem begeisterten Publikum füllte. Die Vorträge der Kapelle, insbesondere der Donauwalzer und der Speckbacher-Marsch, lösten wahre Beifallsstürme aus. Auch der Reinertrag dieses Konzerts fließt dem Fonds für notleidende Tiroler zu.“