Das Hochfest Mariae Himmelfahrt, auch „Hochunserfrauentag" genannt, am 15. August ist das älteste Marienfest der katholischen Kirche. An diesem Tag werden in Tirol vielerorts Sträuße aus sieben verschiedenen Kräutern geweiht. Die Zahl Sieben symbolisiert dabei die sieben Sakramente oder die sieben Schmerzen Mariens. Dieser Brauch geht auf eine alte Legende zurück: Der Überlieferung nach fanden die Jünger beim Öffnen des Mariengrabes anstelle des Leichnams Blumen vor.
Über „der Blumen Hochfest" berichtet der Volksbote vom 12. August 1926:
„Auf Maria Himmelfahrt beschleicht mich alle Jahre ein ganz leises, stilles Heimweh. Heimweh nach dem Fest der Feldblumen, Gräser und heiligen Kräuter. Heimweh nach der dörflichen Festfeier des ‚großen Freudentages‘ mit all dem Duft und Hauch der Kräuterweihe und all der Pracht des Blumenhochamtes, wenn die Heimatkirche ganz erfüllt ist vom würzigen Duft der wohlriechenden Sommerkräuter, der letzten Blumen des Feldes, der Gärten und Wiesen. Maria Himmelfahrt, das leuchtende Symbol der Naturliebe der katholischen Kirche.
Maria Himmelfahrt ist das Fest der Blumen. [...] ‚Muttergottes-Bettstroh‘ u. ‚Gelbe Knöpfe‘, Kreuzkraut und Schafgarbe, Wermut und Thymian, Pfefferminz und Tausendgüldenkraut, Fingerhut und rotleuchtende Stockrosen und so viele andere mehr, nicht zu vergessen den frischen Augustapfel in der Mitte auf einem Stäbchen und die reifen Aehrenhalme des Erntefeldes.
Und wie horchten wir Kinder mit lauschenden Augen und Ohren all den kleinen Geschichtlein, die uns der gute alte Onkel – er war schon hoch in die achtzig – zu erzählen wußte von dem Ursprung der heiligen Blumen alle. Beim Wermut mußten wir schmecken an den Blättern: O, wie bitter! Und wir nickten verständig mit dem Kopfe dazu, wenn der Alte erzählte, wie der Wermut auf Golgatha entsprossen auf jenem Boden, der von den bittersten Tränen der Gottesmutter und dem Kreuz war benetzt und getränkt worden. Und, o Wunder, wie beim Zerdrücken der Johanniskrautblüten unsere Finger blutig wurden und der Onkel uns lehrte, dabei zu fragen: ‚Was wird wohl aus diesem Kinde werden?‘ und aus dem roten Saft uns die Antwort las: ‚Ein Martyrer [sic!].“
[...] Und alle Jahre auf Maria Himmelfahrt, wenn unsere Kirche in den Gotteshäusern der Dörfer, Weiler und Waldwinkel die Blumen und Kräuter segnet und weiht, wird in mir die Sehnsucht wieder wach, die Sehnsucht nach jenem ufervollen, katholischen Glauben der Väter, [...] der den Alltag und die Natur durchdringt und durchleuchtet und auch die unvernünftige Kreatur, auch Blumen und Kräuter, verklärt und weiht und heiligt.“