In zehn Minuten von der Talsohle zur Seegrube
Der kühne Traum von einem Höhenflugplatz auf 2000 Metern

Blick auf die Hafelekarbahn und hinunter auf die Seegrube oberhalb Innsbrucks, um 1930. © Fotograf: Unbekannt; Sammlung Klebelsberg, Institut für Geologie, Universität Innsbruck – TAP

Wer heute mit der Hungerburg- und Seegrubenbahn hoch über Innsbruck hinaufgleitet, erreicht in etwa 15 Minuten sein Ziel rund 1000 Meter über der Stadt. Die erste Teilstrecke von der Hungerburg zur Seegrube wurde im Juli 1928 eröffnet, wenige Wochen später ging auch die Hafelekarbahn in Betrieb und erschloss damit das gesamte hochalpine Gelände der Nordkette. Zwei Jahre zuvor, im Sommer 1926, warb der Tiroler Fliegerverband Innsbruck unter der treibenden Kraft von Oskar Hummel für den kühnen Plan eines Höhenflugplatzes: Mit zwei Flugzeugen sollten dabei mehrmals täglich jeweils acht Passagiere in zehn Minuten vom Flugplatz Reichenau auf die Seegrube geflogen werden. Die veranschlagten Kosten für dieses Projekt schwankten allerdings stark – die Rede war von 300.000 bis 600.000 Schilling, je nachdem, ob ein Gasthaus auf der Seegrube in die Berechnung mit einbezogen wurde. Die Seegrube sollte dabei nur der Anfang sein: Hummel plante ein Netz von sechs bis acht Höhenflugplätzen in ganz Tirol. Der Tiroler Fliegerverband warb jedenfalls aktiv um Investoren.
Einen Eindruck von diesen ambitionierten Plänen vermittelt der Allgemeine Tiroler Anzeiger vom 21. August 1926:
„Der Tiroler Fliegerverband tritt jetzt mit einem etwas kühnen Plan vor die Oeffentlichkeit. Er will in 2000 Meter Höhe in der sogenannten ‚Seegrube‘ einen Hochflugplatz von mindestens 500 Meter Länge und 22 Meter Breite anlegen. In einem 10-Minuten-Flug von der Talsohle soll der hochgelegene Flugplatz erreicht werden.
In dem Prospekt, den der Verband verschickt, heißt es u. a.: Die Errichtung des Höhenflugplatzes ‚Seegrube‘ hat sich der Verband zur Hauptaufgabe gemacht. Dieses Projekt stellt ein Teilprojekt dar, dessen Gesamtfinanzierung ein Kapital von S 1,500.000 erfordert und durch Ausgabe von Darlehens-Anteilscheinen […] aufgebracht werden soll. Die Darlehens-Anteilscheinbesitzer sollen am Gesamtunternehmen, das folgende Unterabteilungen umfaßt, mit 75 Prozent gewinnbeteiligt werden: 1. ‚Höhenflugplatz Seegrube‘, als Hochlandungsplatz mit eigenem Flug- und Alpengasthofbetrieb. 2. Den Bau und [die] Reparatur von Flugzeugen für Eigenbedarf und Verkauf in der Abteilung ‚Tiroler Alpenfliegerwerke, Innsbruck.‘ 3. Die Durchführung von Rundflügen und die Errichtung einer eigenen Fliegerschule. […]
Das Projekt und besonders die Entwicklung des Flugwesens in Tirol ist unbestreitbar fremdenverkehrstechnisch hervorragend und führend.
Die Rentabilität wird vom Fliegerverband mit folgenden Ziffern veranschaulicht: Für den Anfang sollen zwei Flugzeuge mit je einem 240-P.S.-Motor und einem Kabinenraume für 8 Fluggäste Verwendung finden. Jedes dieser Flugzeuge ist in der Lage, in 10 Betriebsstunden normal 20 Berg- und Talflüge auszuführen, was somit einer Beförderung von 320 Fluggästen entspricht; diese Anzahl kann gegebenenfalls auf maximal 500 erhöht werden. […]. Für die Kalkulation wurden als Tarife zugrunde gelegt: Bergflug je Person S 8,-, Talflug je Person S 5,-, Frachtflug je Kilogramm S-, 30. Bei einer schätzungsweise angenommenen Jahresfrequenz von 30,000 Personen und einer Frachtbeförderung von 250 Tonnen […] steht einem jährlichen Amortisations- und Betriebsaufwande von zirka S 320.000, - eine Einnahme von rund S 465.000,- gegenüber […]. Da zur Beförderung von 30.000 Personen aber nur ein Vollbetrieb von 100 Tagen zu je 10 Betriebsstunden erforderlich ist, so glaubt der Verband an ein sehr rentables Unternehmen. Er versucht gegenwärtig für seinen Plan Finanzkräfte zu gewinnen.“
Maria Pichler
Kontakt
Generalsekretariat des EVTZ "Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino"
Waaghaus - Laubengasse 19/A, I-39100 Bozen