In der Nacht vom 1. auf den 2. November wurden Redaktion und Druckerei der katholischen Tageszeitung Il Nuovo Trentino verwüstet. Das Blatt war vom späteren italienischen Ministerpräsidenten Alcide Degasperi im November 1918 gegründet worden. Im Jänner 1926 hatte er jedoch aufgrund seiner antifaschistischen Haltung und auf massiven Druck hin die Schriftleitung an Don Giulio Delugan abgegeben. Anfang November drangen faschistische Schlägertrupps gewaltsam in die Redaktionsräume und Druckerei ein. Sie zerstörten das gesamte Mobiliar und Maschinen und warfen die Bleilettern aus den Fenstern. Die Zeitung stellte ihr Erscheinen ein. Zur selben Zeit besetzten „Schwarzhemden“ in Trient die Sitze des SAIT (Trentiner Landwirtschafts- und Industrieverband), des Bauernverbands und katholischer Organisationen. Hintergrund dieser Aktion war das Attentat auf Benito Mussolini am 31. Oktober 1926 in Bologna. Das Regime nutzte den Anschlag als Vorwand, um die verbliebenen Reste der Opposition, der freien Presse und der Arbeiterbewegung im ganzen Land endgültig zu zerschlagen.
Am 2. November erschien noch eine letzte Ausgabe des Nuovo Trentino mit einem Porträt Mussolinis auf der Titelseite. Sie wurde von den Faschisten gestaltet und stellte eine Parodie auf die bisherige Linie der Zeitung dar. Der Leitartikel „Wie wir zum Faschismus übergingen“ verspottet sowohl ihren Anspruch auf Überparteilichkeit als auch ihre katholische Grundausrichtung:
„Ein großes, harlekinbuntesTuch […] war der Vorhang unseres Theaters: Darauf malten sie in riesigen Buchstaben ‚Unparteilichkeit‘ und sagten zu uns mit einem seligen, ironischen Lächeln: Blökt unablässig ‚unparteiisch – überparteilich‘. So begannen wir mit unseren Aufführungen. Und das Geschäft lief mit prallen Segeln, denn unter uns gelang es manch tüchtigem Komiker, das Landvolk zu beeindrucken (o törichtes Volk!), indem er ihm das Paradies für drei Gulden verkaufte. Wir waren, kurz gesagt, Laienschauspieler; verzeiht die Vergangenheit. […] Allzu lange hat das Spiel gewährt […] Wie wurden wir erlöst? Wie wurden wir aus Larven zu engelhaften Schmetterlingen? Das ist nicht leicht zu sagen. Gewissenskrise? Vielleicht! Gewiss riss jemand gewaltsam den unheilvollen Schleier weg. Gewiss nahm uns jemand brutal die schrumpelige Maske vom Gesicht, und eine unbekannte, gleißende Sonne blendete unsere Maulwurfsaugen. Endlich wurden wir sehend; und, wenn auch verwirrt, riefen wir Hosianna dem fantastischen Land Italien und seinem herrlichen Duce. Besser spät als nie, besser heut als nie! So beginnt das neue, das wahre, das bebende Leben im Namen des Faschismus, der keinen Untergang kennen wird […]. Es lebe der Duce.“