Das Bergwerk in Terlan wird erstmals im Jahr 1310 urkundlich erwähnt. Ab 1483 gab es an den Hängen oberhalb des Dorfes im Südtiroler Etschtal, die heute bezeichnenderweise „Silberleiten“ genannt werden, bis zu 30 aktive Stollen. Dort wurde im Mittelalter Silbererz abgebaut. Wegen Erschöpfung der Vorkommen und sinkender Erträge wurde der Abbau von Blei- und Fahlerzen mit hohem Silbergehalt 1653 eingestellt. Rund 250 Jahre später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wurden die alten Gruben in Terlan/Kreith wieder in Betrieb genommen und vor allem Zinkblende abgebaut. In den 1920er Jahren waren die Grafen Henckel von Donnersmarck-Beuthen die treibende wirtschaftliche Kraft hinter dem Bergbau in Terlan, bevor der italienische Staat den Bergbau verstaatlichte und über Konzessionen regelte.
Die Arbeit der Bergleute war in dieser Zeit Schwerstarbeit unter Tage, auch wenn ihnen im Gegensatz zum Mittelalter verschiedene Hilfsmittel wie Drucklufthammer und Dynamit zur Verfügung standen. Die Arbeiter waren gesundheitlichen Belastungen und Risiken ausgesetzt, und es war nicht jedermanns Sache, den ganzen Tag „unter Tage“ zu verbringen. Am 20. Juli 1926 berichtet Der Burggräfler von zwei Verletzten im Terlaner Bergwerk:
„Im gräflich Henckel v. Donnersmarck’schen Bergwerk bei Vilpiano ereignete sich gestern ein schweres Unglück. Beim Aufpicken der Stollensohle geriet ein Arbeiter unversehens mit dem Pickel auf einen stehengebliebenen Schuß, wodurch sofort eine schwere Explosion erfolgte. Der Bergmann Ernesto Leonardi und der Sohn des Bergwerkdirektors Willi Grabensberger wurden schwer verletzt und mußten nach Bolzano ins Krankenhaus gebracht werden.
Das eine Opfer, der 32jährige Vorarbeiter Ernesto Leonardi ist aus Cloz, Bezirk Cles, gebürtig und seit 25 Jahren in Terlano ansässig. Er hat Verletzungen an beiden Augen und am Körper erlitten. Der andere Verunglückte, der 21jährige Willy Grabensberger ist Student der Philosophie in Graz und weilt gegenwärtig bei seinen Eltern in Terlano zum Sommeraufenthalt, wobei er einen Teil seiner freien Zeit im Bergwerk, dessen Direktor sein Vater ist, mitarbeitet. Er hat eine Lungenverletzung erlitten. […]“
Das Bergwerk von Terlan wurde bis 1957 betrieben. Im Jahre 2003 ist ein leicht zugänglicher Schaustollen errichtet, der mit Führung durch den Bergknappenverein Terlan besichtigt werden kann. Der Knappenverein wurde 2005 gegründet, um die Erinnerung an den jahrhundertelangen Silber- und Zinkabbau in Terlan wachzuhalten. Bei offiziellen Anlässen tragen die Vereinsmitglieder die typische Bergmannstracht.