Seit dem Jahr 2009 zählen die Dolomiten und damit auch die Marmolata an der Grenze zwischen dem Trentino und dem Veneto zum UNESCO-Welterbe Dolomiten. Die „Königin der Dolomiten“ ist heute zugleich Sinnbild für zwei große Herausforderungen: die durch die Effekte des Klimawandels schwindenden Gletscher und die zunehmenden Touristenströme mit den damit verbundenen Herausforderungen in der Verkehrs- und Besucherlenkung.
Vor 100 Jahren veröffentlichte Il Nuovo Trentino einen Erlebnisbericht zu einer Tour auf die Marmolata, ein Zeugnis für den alpinen Tourismus dieser Zeit in den Dolomiten. Am 3. September 1926 schrieb die Tageszeitung unter anderem:
„Die [Marmolata-]Gruppe ist ein Komplex von Gipfeln, Graten und Ausläufern, die sich vom Hauptgipfel aus in verschiedene Richtungen erstrecken – nach Livinallongo, nach Canazei, nach Pozza und Soraga. […] Der Fedaia-Pass (2003 m) bildet den Ursprung der beiden gegenüberliegenden Täler. Der Sattel war im Ersten Weltkrieg Schauplatz von Kämpfen, bei denen der prächtige Rifugio Venezia zerstört wurde; heute liegt dort der blaue Fedaia-See […] mit Blick auf die Marmolata und die umliegenden Täler, und die neue Schutzhütte der S.A.T. [Società degli Alpinisti Trentini] bietet eine Beherbergungsmöglichkeit. Den höchsten Punkt dieser imposanten Dolomitenmasse bildet der Gipfel der Marmolata di Penia (3344 m), an den sich die Marmolata di Rocca (3309 m) anschließt – mit einer Eisdecke von rund 3,5 km², der ausgedehntesten der Venetischen Alpen. […] Da scheint der Ausflug plötzlich die Bedeutung eines Unternehmens anzunehmen: die Seilschaft, die rituellen Anweisungen des Bergführers, ein Blick auf das gewaltige Eisfeld, das vor uns liegt, ein Blick auf den herausfordernden Gipfel, der sich kühn in den blauen Himmel erhebt – all das vermittelt uns kleinen Kreaturen, die sich dem Koloss stellen, ein Gefühl der Erhabenheit; einem Koloss, der schon so manches Opfer der Leichtsinnigkeit oder Verwegenheit gefordert hat. Dazu kommt die Unvorhersehbarkeit möglicher Zwischenfälle: Man erzählt sich so manch furchteinflößende Geschichte von Gletschern, an die sich manche gar nicht erst heranwagen!"