Die erste Postkarte der Welt wurde am 1. Oktober 1869 von Perg bei Linz nach Kirchdorf versandt. Die sogenannten Correspondenz-Karten waren billiger, schneller und weniger förmlich als klassische Briefe, dienten einem kurzen Informationsaustausch und hatten noch kein Bild. Schon kurze Zeit später werden erste kleine Zeichnungen und gedruckte Bilder auf die Postkarten gedruckt, ab den 1880er Jahren Stadtansichten, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele: die Ansichtskarte war geboren. Die Themen der beliebten Karten beschränkten sich nicht nur auf Ortschaften, sondern umfassten auch Glückwünsche, Kunst, Sport, Liebe und humoristische Darstellungen – und wurden im Krieg für Propaganda genutzt. Doch wer hat diese illustrierten Postkarten erfunden? Das ist bis heute umstritten, wobei die zunehmende Verbreitung der Ansichtskarten mit der Verbesserung der Drucktechniken Ende des 19. Jahrhunderts zusammenhängt.
In einem Artikel in der Tageszeitung Il Nuovo Trentino vom 31. Juli 1926 erheben die Rivaner den Anspruch auf den Erfinder der illustrierten Postkarten:
„Die Zeitungen haben kürzlich den Tod des Erfinders der illustrierten Postkarte gemeldet. Wir Rivaner hingegen sind überzeugt: Die illustrierte Postkarte wurde von einem alten Rivaner erfunden, der noch am Leben ist. Gedruckt wurden sie in der typographisch-lithographischen Anstalt Giovanni Gregori, die ihren Sitz auf der Piazza Castello im Haus Bernardinelli hatte.
Gregori war ein intelligenter Mann und ein tüchtiger Graveur; er starb vor zwei Jahren in Mailand. Noch am Leben sind drei seiner ehemaligen Gesellen: Giuseppe Tosadori, Miteigentümer der Druckerei Tosadori und Gottardi in Riva; Giuseppe Restelli, Eigentümer der Unione Tipografica Bresciana in Brescia, Via Venti Settembre; sowie Ritter Giuseppe Restelli [sic!] von der preisgekrönten Druckerei in Lovere am Iseosee. Sie alle können bezeugen, dass die illustrierten Postkarten im Frühjahr 1885 erschienen – und noch im selben Jahr jede Stadt förmlich überschwemmten.
Zunächst waren es fotografische Postkarten, die später durch einfachere ersetzt wurden: Die einen schwarz, die anderen farbig. Besonders beliebt waren Karten im Bromsilberverfahren, die Fotografien täuschend ähnlich sahen.“