Der Soldatenfriedhof von Castel Dante
Feierliche Weihe der Gräberstätte für Gefallene des Ersten Weltkrieges

Feierliche Segnung der Gedenkstätte Castel Dante in Rovereto im Juni 1926 © MITAG, Archivio Storico, fondo Comitato Ossario, b. 20

Die Gedenkstätte Castel Dante in Rovereto beherbergt die sterblichen Überreste von etwa 20.000 Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Das monumentale Beinhaus wurde in den 1930er Jahren auf den Ruinen der Burg Lizzana errichtet, wo sich der Überlieferung nach Dante Alighieri aufgehalten haben soll. Bereits zuvor war dort unter der Federführung lokaler Initiativen und der Stadt Rovereto ein Soldatenfriedhof angelegt worden, um die Gebeine der Gefallenen aus den umliegenden Frontabschnitten, unter anderem dem Monte Pasubio, zentral zu vereinen. Unter den bestatteten Soldaten sind zahlreiche tschechoslowakische Legionäre, die im Ersten Weltkrieg auf der Seite der Entente gegen Österreich-Ungarn kämpften. Von der feierlichen Segnung des Friedhofes, an der unter anderem ein Vertreter der tschechoslowakischen Regierung teilnahm, schreibt die Tageszeitung Il Nuovo Trentino am 15. Juni 1926 in einem zeitgenössischen Bericht, der im Zusammenhang mit der damaligen nationalen Erinnerungskultur und Politik zu lesen ist:
„Unsere liebe Stadt, die vom Krieg gegeißelt, von Plünderungen und Zerstörung getroffen, aber zu neuem Leben erstanden ist, ist zum Zentrum der Kriegserinnerungen geworden: Das Kriegsmuseum und das Ossarium von Castel Dante erzählen von den Anstrengungen unseres glorreichen Heeres zur Befreiung dieses unseres Landes, das harte Knechtschaft und schwerste Erniedrigungen erfahren hatte. Am vergangenen Sonntag schmückte sich unsere Stadt mit Nationalflaggen und mit den Flaggen der Tschechoslowakei.
Den Vertretern dieser edlen Nation wurde ein unvergesslicher Empfang bereitet. […]
Am Sonntag fanden feierliche und würdevolle Zeremonien statt, die bei allen den besten Eindruck hinterließen. Um 10.30 Uhr erfolgte der Empfang im Rathaus, während sich ein großer Festzug bildete, um nach Castel Dante zu ziehen. […]
Die illustren Gäste, die unter Jubelrufen und Beifall im Rathaus eintrafen, wurden von Commendatore De Franceso begrüßt […]. Anschließend überbrachte Commendatore Sartorelli den ehrerbietigen Gruß im Namen des Ossarium-Komitees. Darauf antwortete der Bevollmächtigte Minister Maslny mit den vielbeachteten Worten:
‚Ich danke für den herzlichen Empfang und freue mich, in diese Stadt gekommen zu sein, die voller trauriger, aber auch ruhmreicher und lieber Erinnerungen ist. Ich bin hier, um als Sprecher meiner Regierung die unauflöslichen Bande zwischen unseren beiden Nationen zu bekräftigen. Ich bedaure, dass meine unzureichenden Sprachkenntnisse es mir nicht erlauben, auszudrücken, was ich in diesem Moment empfinde. Die Rede ist arm, aber das Herz ist voll. Könnte ich in meiner Muttersprache zu Euch sprechen, würde ich Euch sagen, dass wir Euch lieben, dass wir Euch in der Vergangenheit geliebt haben, dass wir Euch lieben, jenseits von politischem Geplänkel, und dass die Jahre, die uns in der Vergangenheit nicht getrennt haben, uns auch in Zukunft nicht trennen werden. […]‘
Nach einem von der Stadt offerierten Umtrunk begaben sich alle Behördenvertreter mit dem Automobil zur Gedenkstätte von Castel Dante, die wie ein Garten erblüht war und auf dem sich eine unüberschaubare Menschenmenge versammelt hatte. Seine Exzellenz, unser Bischof, in Pontifikalgewandung, […] begab sich in Prozession zum Friedhof, während verschiedene Musikkapellen abwechselnd die Nationalhymnen spielten. […]“
Maria Pichler
Kontakt
Generalsekretariat des EVTZ "Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino"
Waaghaus - Laubengasse 19/A, I-39100 Bozen