Das Bezirkskrankenhaus in Lienz
„So manche Kranke dem Leben wiedergegeben…“

Eröffnungsfeier des Bezirkskrankenhauses Lienz, 8. September 1931 © Hans Fracaro; Sammlung Oliva Lukasser - TAP

Das Allgemeine öffentliche Bezirkskrankenhaus Lienz nimmt eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung von Osttirol und Oberkärnten ein. Die Wurzeln des Krankenhauses liegen im ehemaligen Bürgerspital, das im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt wird. Da ein Ausbau des städtischen Spitals nicht möglich war, beschloss die Bürgermeisterkonferenz des Bezirks Lienz im März 1926, die Tiroler Landesregierung darum zu ersuchen, die gesetzlichen Voraussetzungen für den Bau eines neuen Krankenhauses zu schaffen. Über die „Frage der Erbauung eines Bezirks-Krankenhauses in Lienz“ schreiben die Lienzer Nachrichten am 30. April 1926:
„Es wird […] die Leser sicherlich interessieren zu hören, wie weit einstweilen diese für Osttirol so wichtige Frage gediehen ist, und wie man sich die Durchführung derselben vorstellt. Um der Landesregierung die Möglichkeit zu geben, sich über die wahre Stimmung, welche über diese Frage in den Landgemeinden des Bezirkes herrscht, zu informieren und um feststellen zu können, ob die Bevölkerung tatsächlich gewillt ist, die nicht unbedeutenden Lasten für die Errichtung eines Bezirkskrankenhauses auf sich zu nehmen, wurden sämtliche Gemeinderäte eingeladen, diese Frage zu beraten und ihre Schlussfassung bis 20. Mai d. J. mitzuteilen. […] Wie man hört, sollen viele Gemeinden schon ganz spontan nur auf Grund der Informationen ihrer Bürgermeister die Bereitwilligkeit zur Erbauung eines Bezirkskrankenhauses zum Ausdruck gebracht haben.
Da der Bestand eines erstklassigen Krankenhauses in Lienz auch für die benachbarten Gemeinden von Kärnten eine Lebenswichtigkeit bedeutet, trat die Tiroler Landesregierung auch mit der Landesregierung in Kärnten in Verhandlungen […]. Es wird jedoch im höchsteigenen Interesse dieser Kärntner Gebiete selbst sein, durch eine angemessene Beitragsleistung von Seite Kärntens den Ausbau eines auch ihren Bedürfnissen entsprechenden Krankenhauses in Lienz zu ermöglichen, denn mindestens 20.000 Kärntner müssen in dringenden Krankheitsfällen oder bei Unglücksfällen die erste Hilfe in Lienz suchen.
[…]
Das heurige Jahr dient dazu, die organisatorischen, finanziellen und technischen Vorarbeiten zu leisten. Da wäre vor allem zu nennen, die Schaffung eines Beitragsbezirkes, dann die Verhandlungen mit Land und Bund wegen Gewährung einer finanziellen Mithilfe im Rahmen des Krankenanstaltengesetzes, sowie die Ausarbeitung der Pläne und endlich die Beistellung des baureifen Grundes. Im zweiten Jahre könnte der Rohbau ausgeführt und im dritten Jahre die Inneneinrichtung fertiggestellt werden, sodaß das Bezirkskrankenhaus im Herbste 1928 bezogen werden könnte. […]
Mit verhältnismäßig kleinen finanziellen Opfern kann der Bezirk ein schönes, modern eingerichtetes Krankenhaus erhalten. In einem modernen Krankenhause können heute so manche Kranke dem Leben wiedergegeben werden, welche ohne einem solchen [!] unrettbar dem Tode verfallen wären. Und wenn die Gemeinderäte über diese Frage der Errichtung eines Bezirkskrankenhauses und über die Bewilligung der hiezu notwendigen Geldmittel beraten, muß da nicht jedem einzelnen der […] Gemeinderatsmitglieder unwillkürlich der Gedanke kommen: ‚Bin ich oder eines meiner Angehörigen nicht vielleicht auch unter jenen, die einstens ohne den Bestand dieses Krankenhauses unrettbar dem Tode verfallen wären?‘“
Der im Artikel angesprochene Zeitplan für die Errichtung des Bezirkskrankenhauses Lienz konnte nicht ganz gehalten werden: Das Krankenhaus wurde im Jahr 1931 fertiggestellt.
Maria Pichler
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