Arbeitstreffen online
Dazu fand ein erstes Arbeitstreffen online statt, an dem die zuständigen Vertreterinnen und Vertreter aus der Lombardei, Tirol, Salzburg, dem Kanton Tessin und Südtirol sowie selbstverständlich aus dem Trentino teilnahmen. Ebenfalls vertreten waren die Koordinatoren des Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung der Autonomen Provinz Trient (PAT), darunter der Dienststellenleiter Lorenzo Malpaga und der Leiter des Amtes für Etschstudien und Planung, Ruggero Valentinotti.
Zur Begrüßung sprach Stefano Fait, Generaldirektor der Abteilung Zivilschutz, Forstwirtschaft und Wildtiere der Autonomen Provinz Trient. Er wies auf die Gefahr hin, dass es nicht immer gelingt, Informationen wirksam zu vermitteln:
„Heute geben wir offiziell den Startschuss für eine wichtige Initiative, die das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für Naturgefahren stärken soll. Unser Ziel umfasst drei zentrale Handlungsfelder: Erstens den Selbstschutz als erste Form der Gefahrenabwehr. Im Trentino zählt der Zivilschutz 13.000 Einsatzkräfte. Es wäre jedoch außergewöhnlich, wenn sich alle 550.000 Einwohnerinnen und Einwohner aktiv für die Sicherheit ihres Lebensraums verantwortlich fühlen würden.
Der zweite Schwerpunkt ist die Einführung einer gemeinsamen, grenzüberschreitend abgestimmten Sprache im gesamten Alpenraum – ähnlich wie bei den Wetter- und Lawinenlageberichten, die zwischen den Regionen der Euregio bereits aufeinander abgestimmt werden. Schließlich müssen wir eine verantwortungsbewusste und den Gegebenheiten angepasste Nutzung der Bergwelt fördern. Dazu gehört auch eine kritische Analyse des meteorologischen Warnsystems, denn Warnungen drohen zu häufig ausgesprochen zu werden und dadurch ihre tatsächliche Überzeugungskraft zu verlieren. Wir müssen den Menschen das Bewusstsein dafür zurückgeben, wie sie in ihrem eigenen Lebensraum sicher leben können“.
Alpenübergreifendes Projekt
Neben den bereits genannten teilnehmenden Regionen unterstützen auch der Kanton Graubünden, Bayern und Vorarlberg das Projekt. Es baut auf den Erfahrungen auf, die die Abteilung Zivilschutz im Rahmen des LIFE-Projekts „FRANCA“ zur frühzeitigen Erkennung und Kommunikation von Hochwasserrisiken gesammelt hat.
Das Projekt läuft über das gesamte kommende Jahr. Sein Hauptziel besteht darin, das Risikobewusstsein der Bevölkerung zu stärken und ihr die notwendigen Instrumente an die Hand zu geben, um Umweltsituationen, die auf bevorstehende Hochwasserereignisse hindeuten, rechtzeitig zu erkennen. Besonderes Augenmerk gilt dabei schnell einsetzenden Hochwasserereignissen.
Der Grundgedanke des Projekts beruht auf der Erkenntnis, dass technische Schutzbauwerke – beispielsweise Dämme, Sohlschwellen und Lawinenschutzanlagen – die Risiken durch Naturgefahren nicht vollständig ausschließen können. Technologie und Infrastruktur allein reichen nicht aus, um Sicherheit zu gewährleisten, wenn riskantes Verhalten Einzelner schwerwiegende Folgen haben kann.
Umso wichtiger sind klare und abgestimmte Kommunikationsmaßnahmen, die den Bürgerinnen und Bürgern helfen, Gefahren zu verstehen und in Notsituationen verantwortungsbewusst zu reagieren.
Die Initiative greift mehrere strategische Prioritäten auf: das Management von Naturgefahren sowie die Verknüpfung baulicher Schutzmaßnahmen mit nicht baulichen Maßnahmen, die insbesondere auf eine ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigere Raumnutzung abzielen.
Als Beispiel wurde die Notwendigkeit genannt, die sogenannte sanfte Mobilität – insbesondere das Rad- und Fußwegenetz – bewusster zu nutzen. Diese Wege verlaufen häufig entlang von Flussdämmen und durch Geländemulden, in denen es zu Murenabgängen und Schuttströmen kommen kann.
Zeitplan
Nach der heutigen Auftaktveranstaltung sieht der Zeitplan bereits mehrere konkrete Aktivitäten vor. Dazu gehört eine Erhebung, die mit Unterstützung lokaler Akteure durchgeführt wird und in einem ersten Workshop am 19. November in Trient mündet.
An diesem Treffen nehmen Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden, Fachleute der Provinz aus den verschiedenen beteiligten Bereichen – darunter Wettervorhersage, Hydrogeologie, Bodenschutz, Tourismus und Zivilschutz – sowie Einsatzkräfte und Freiwillige teil.
Darüber hinaus werden Erfahrungen aus den einzelnen Regionen eingebracht. Dazu gehören unter anderem lokale Verwaltungsvertreter, Betreiber von Radwegen und Aufstiegsanlagen, Vertreter von Verbänden, Tourismusorganisationen (APT) und Naturparks sowie Hüttenwirte und Hoteliers.
Entsprechende Treffen werden auch in allen anderen am Projekt beteiligten Regionen stattfinden. Für Oktober 2027 ist im Rahmen der Zivilschutzwoche ein abschließender Workshop in Trient vorgesehen. Dabei sollen die Ergebnisse vorgestellt und die erarbeitete Strategie mit allen Arge-Alp-Regionen abgestimmt werden.
Auf Grundlage der bei den Workshops zusammengetragenen bewährten Praktiken wird schließlich ein praxisorientiertes Handbuch in italienischer und deutscher Sprache erstellt. Es soll konkrete Lösungen vorschlagen, beispielsweise spezielle Beschilderungen, Infografiken oder den Einsatz unterschiedlicher Informationsmaterialien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auch auf der Kommunikation mit Schulen.
Allgemeine Infos zur Arge Alp
Arge Alp ist eine Arbeitsgemeinschaft, die am 12. Oktober 1972 in Mösern in Tirol gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, gemeinsame Anliegen der Alpenregionen aufzugreifen und zu unterstützen. Das Gebiet umfasst rund 26 Millionen Menschen.Mitglieder der Arge Alp sind Deutschland mit dem Freistaat Bayern, Österreich mit den Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg, Italien mit den Autonomen Provinzen Bozen und Trient sowie der Region Lombardei und die Schweiz mit den Kantonen Graubünden, St. Gallen und Tessin. Weitere Informationen: www.argealp.org.
(us)
