BOZEN. Ein gepflegtes Glas Wein lässt sich nicht nur mit Essen verbinden, sondern auch mit der Geschichte der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Wie das geht, zeigte der renommierte Trentiner Historiker Tommaso Iori am Donnerstagabend, 22. Oktober, in einer Weinverkostung, zu der die Euregio gemeinsam mit der Trentiner Stiftung Alcide de Gasperi im Rahmen eines Euregio-Kulturdonnerstags ins Waaghaus von Bozen geladen hatte.
Bei der Veranstaltung "Die Euregio in 5 Weingläsern" konnten die Gäste, darunter auch Landtagspräsident Angelo Gennaccaro sowie der Generaldirektor des Landes Südtirol Alexander Steiner, nach der Begrüßung durch Euregio-Vertreterin Judith Notdurfter und der Einführung von Stiftungsdirektor Marco Odorizzi fünf spezielle Weine verkosten, die stellvertretend für ein Stück jüngere Euregio-Geschichte stehen. Der Historiker Tommaso Iori verknüpfte die Weine anhand von Lebensfragmenten aus den ersten 37 Lebensjahren einer politischen Schlüsselfigur des 20. Jahrhunderts, dem aus dem Trentino stammenden Alcide de Gasperi, mit verschiedenen Orten und zeitgeschichtlichen Begebenheiten.
Grußworte Gennaccaro
„Alcide De Gasperi ist eine Schlüsselfigur unserer Geschichte, der es gelang, die Erfahrungen einer Grenzregion in eine politische Vision umzusetzen, die auf Dialog, Zusammenarbeit und dem Zusammenleben der Völker basiert. Initiativen wie „De Gasperi in 5 Gläsern“ ermöglichen es uns, durch Kultur und önogastronomische Traditionen die gemeinsamen Wurzeln unseres Territoriums und den Wert der Euregio als Raum der Begegnung, der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Wachstums wiederzuentdecken" , unterstrich Landtagspräsident Gennaccaro.
Odorizzi: "Weine als Spuren des Lebens"
Marco Odorizzi sprach von einer "originellen Erzählung von Menschen und Land, von Geschichte und Geschmack. So kann das Publikum mit Hilfe des Weins Vergangenheit hautnah erleben. Es hört ihr zu, stellt sie sich vor und genießt sie. Es ist ein Versuch, die Geschichte von Orten zu erzählen, die nicht nur historische Schauplätze sind, sondern auch deren stille Protagonisten."
Beim Experiment, Wein nicht mit Essen, sondern mit der Biografie einer besonderen Persönlichkeit zu verbinden, habe sich gezeigt, so Tommaso Iori, dass die Geschichte des Weinbaus eng mit der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Geschichte verschiedener Gebiete verwoben sei. "Für die Etappe in der Valsugana haben wir den Blanc de Sers ausgewählt, einen Wein, der symbolisch für die neue Ära des Weinbaus im Tal steht, nachdem dieser im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend aufgegeben worden war; für die Etappe in Trient einen Schaumwein, der es ermöglicht, in die Vergangenheit zu reisen, in die Zeit vor dem Erfolg der „Champenoise“-Schaumweinherstellung: eine traditionelle Methode, "verschleiert" im Namen und in der Tat; für Wien den „Gemischter Satz“, den Symbolwein der Stadt, der ihre unerschöpfliche Berufung zur Vielfalt verkörpert; auf dem Weg nach Triest steigen wir auf den Karst, mit einer geheimnisvollen und grenzüberschreitenden Rebsorte wie der Vitovska, dem Symbol eines Weinbaus, der gerne mit Grenzen spielt; für die letzte Etappe die Rebsorte, die uns hilft, die gerissenen Fäden der mitteleuropäischen Geschichte wieder zu verknüpfen: der Blaufränkisch, auch bekannt als Frankovka, Kékfrankos oder Lemberger … viele Namen, jeder für die verschiedenen Gebiete, in denen er noch angebaut wird", erklärte Iori.
ag





