Das Wirtschaftsfestival Trient mit dem Titel „Von den Märkten zu neuen Mächten. Die Hoffnungen der Jugend“, fand vom 20. bis 24. Mai statt. Es brachte Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um über aktuelle Herausforderungen - insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Geopolitik - zu diskutieren. Das Programm bot zahlreiche Veranstaltungen, während das „Fuori Festival“ die Veranstaltung ergänzte.
Die Abschlussveranstaltung zum Thema „Wirtschaftliche Entwicklung als gesellschaftliche Priorität“ wurde von Emanuele Orsini (Präsident der Confindustria) und Fabio Tamburini (Direktor von Il Sole 24 Ore) gestaltet. Zu Beginn zog Orsini Bilanz über seine ersten zwei Amtsjahre, die als „eine kräftezehrende, aber schöne Erfahrung“ beschrieben wurde. Im Mittelpunkt standen der Schutz italienischer Unternehmen und die Stärkung des Wirtschaftssystems.Mit Blick auf die italienische Industrie wurden Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit laut, insbesondere aufgrund der Energiekosten - „Italien liegt auf Platz 27 in Europa“ - und der Besteuerung. Gefordert wurde eine stärkere europäische Industriepolitik. Auch der Dialog mit den Gewerkschaften spielte eine wichtige Rolle, der trotz unterschiedlicher Positionen in mehreren Fragen als notwendiger Schritt beschrieben wurde. Als zentrale Priorität galt ein europäischer Energiebinnenmarkt, der als unerlässlich angesehen wird, um strukturelle Kostennachteile zu verringern und gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Industrie in allen Mitgliedstaaten zu gewährleisten. Schließlich wurde in Bezug auf strategische Sektoren wie die Automobilindustrie und Haushaltsgeräte betont, dass Europa gegenüber China weiter zurückfallen könnte.
In der Diskussion über Europa wurde die Fragmentierung Europas kritisiert. Im Handel wurde Italiens Wandel von einem negativen Handelsbilanzsaldo zu einem Überschuss von rund 100 Milliarden Euro hervorgehoben. Betont wurden neue Märkte und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Positive Signale kamen auch aus Süditalien, das nun erstmals das des Nordens übertrifft, unterstützt durch Vereinfachungs- und Investitionsmaßnahmen. Beim Thema Energie und künstliche Intelligenz wurde betont, dass die Nachfrage stark steigen werde, mit der Warnung, dass „Italien in 20 Jahren doppelt so viel Energie benötigen wird“, weshalb schnellere Entscheidungen bei Energieprojekten gefordert wurden.
Thema waren auch der „demografische Winter“ und die Abwanderung junger Italiener thematisiert, Ziel sei es, Talente mit besseren Chancen und Gehältern im Land zu halten. Es wurde darauf hingewiesen, dass Italien bis 2040 einen Mangel an „5 Millionen Arbeitskräften“ haben könnte. Deshalb müssten Ausbildung und internationale Fachkräfte stärker gefördert werden. Schließlich wurden der Rückgang junger Unternehmer und die anhaltende Zahl der NEETs (immer noch rund 15 %) mit der Notwendigkeit einer stärkeren Integration zwischen Schulen, Universitäten und Unternehmen sowie schnellerer Zugangswege zum Arbeitsmarkt in Verbindung gebracht.
Zum Abschluss dankten mehrere Vertreter der Institutionen den Organisatoren und äußerten sich zur Ausgabe des Festivals im Jahr 2026. Maurizio Fugatti (Landeshauptmann der Autonomen Provinz Trient) bezeichnete es als „rekordverdächtiges Festival mit 45.000 Besuchern“, hob die hervorragende Organisation hervor und dankte allen Partnern; Monica Baggia (Stadträtin der Stadt Trient) lobte die hohe Beteiligung an allen Veranstaltungen, insbesondere unter jungen Menschen; Flavio De Florian (Rektor, Universität Trient) wies auf die starke Präsenz junger Menschen hin und bekräftigte das Engagement der Universität für künftige Ausgaben; Maria Carmela Colaiacovo (Präsidentin, Il Sole 24 Ore-Gruppe) bezeichnete es als „außergewöhnliches Festival“ und hob die Zusammenarbeit zwischen Il Sole 24 Ore, Confindustria und der Region hervor; Maurizio Rossini (Geschäftsführer, Trentino Marketing) betonte, dass die Arbeiten an der nächsten Ausgabe sofort beginnen würden, wobei der Schwerpunkt auf Innovation und der Jugend liegen werde. Federico Silvestri (Geschäftsführer, Il Sole 24 Ore) gab die Termine für 2027 (18.-22. Mai) bekannt und lobte die Effizienz der Organisationsmaschine, die rund 360 Veranstaltungen in vier Tagen möglich gemacht habe. Fabio Tamburini (Direktor, Il Sole 24 Ore) betonte, dass Respekt und Dialog während des gesamten Festivals im Vordergrund standen, und erinnerte daran, dass es gerade in schwierigen Zeiten Mut brauche und „Gewalt niemals über Vernunft und Recht siegen dürfe“.
(nb)
