„Guten Morgen“ und „Buongiorno“ – schon am Morgen wechseln die Sprachen an der Volksschule Altwilten und am "Istituto Comprensivo Trento 2 - J.A. Comenius" wie selbstverständlich. Rechnen auf Deutsch, erzählen auf Italienisch. Zwei Lehrerpersonen, zwei Sprachen, ein gemeinsamer Unterricht.
Seit 2005 in Innsbruck und im Trientner Ortsteil Cognola das länderübergreifende Schulprojekt Bilinguale Schule eingeführt wurde, steht es in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino für interkulturelles Lernen und gelebte Mehrsprachigkeit.
Zum 20-jährigen Jubiläum haben die Länder Tirol und Trentino ihr Abkommen zum Unterricht in zweisprachigen Schulklassen am 20. April 2026 im Rahmen eines Festakts in Innsbruck vorgestellt und an daran erinnert, dass das Abkommen bereits 2024 für weitere zehn Jahre erneuert worden war. Der Euregio-Präsident, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle unterstrich dessen nachhaltige Bedeutung: „Die bilinguale Schule ist ein Vorzeigeprojekt für innovative Bildungspolitik und gelebte europäische Zusammenarbeit. Sie zeigt eindrucksvoll, wie sprachliche Vielfalt als Stärke genutzt werden kann.“
Einzigartiges Unterrichtsmodell
Entstanden ist das Projekt aus einer Elterninitiative vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl deutsch-italienischsprachiger Familien im Raum Innsbruck und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Euregio realisiert. Konkret unterrichten qualifizierte Tiroler und Trentiner Lehrpersonen in derselben Klasse in ihren jeweiligen Muttersprachen. Die Zweitsprache wird nicht als klassische Fremdsprache vermittelt, sondern ist selbstverständlicher Bestandteil des Schulalltags. Ein zentraler Bestandteil bleibt der kontinuierliche Austausch unter den Partnerschulen.
Als „wegweisend für das Schulsystem“ bezeichnete Giuseppe Rizza, Schulamtsleiter des Trentino, das Projekt zwanzig Jahre nach seiner Einführung: „Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, der Austausch von Lehrpersonen und gemeinsame pädagogische Konzepte haben ein Modell geschaffen, das auf Mehrsprachigkeit, Innovation und grenzübergreifender Zusammenarbeit basiert.“
Aktuell unterrichten fünf Lehrpersonen aus Tirol in Cognola, fünf aus dem Trentino in Innsbruck. „Unser Ziel ist es, dass Kinder mit Freude in zwei Sprachen lernen und sich individuell entfalten können. Die sprachliche Vielfalt sehen wir als große Chance“, betonen Monika Schöpf, Direktorin der Volksschule Altwilten und Carlo Zanetti, Direktor des Istituto Comprensivo Trento 2 - J.A. Comenius in der Trentiner Landeshauptstadt.
Qualität wissenschaftlich bestätigt
Die Universität Innsbruck begleitet das Projekt wissenschaftlich. Die soeben fertiggestellte Studie zeigt laut Saverio Carpentieri, wissenschaftlicher Berater der Volksschule Altwilten, deutlich, dass der bilinguale Schulalltag nicht nur die Sprachkompetenzen stärkt: „In Settings wie diesem lernen Kinder leichter und effektiver mehrere Sprachen und können gleichzeitig ihre Konzentration, Problemlösungsfähigkeit und Offenheit gegenüber anderen Kulturen stärken.“
red/gst
