Tirol
Nachfolgende Ausführungen sind aus dem Wander- und Bergwegkonzept des Landes Tirol entnommen, das im Jahr 2000 von der Tiroler Landesregierung beschlossen wurde und seither regelmäßig aktualisiert wird (letzte Aktualisierung 2022).
Wanderweg: leicht (keine Farbe)
KURZFASSUNG:
Charakteristik: leicht, breit und geringe Steigung, Talbereich und anschließender Wald, atypische Gefahrenstellen sind in der Regel gesichert oder signalisiert, markiert und beschildert
Zielgruppe: Spaziergeher ohne alpine Kenntnisse
Voraussetzung: Sportschuhe, Witterung angepasste Kleidung
AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG:
Wanderwege sind leichte, allgemein zugängliche, in der Regel für Fußgänger während der schneefreien Zeit bestimmte, gebahnte und lückenlos markierte Gehstrecken im Dauersiedlungsraum und dem anschließenden Wald. Sie sind ausreichend breit angelegt und weisen nur geringe Steigungen/Gefälle auf. Sie sind in der Regel nicht ausgesetzt, nicht absturzgefährlich und auch bei schlechtem Wetter relativ gefahrlos. Wegabschnitte mit Absturzgefahr sind durch geeignete Maßnahmen (z.B. stabiles Geländer) gesichert. In Ausnahmefällen sind atypische Gefahrenstellen möglich (z.B. Steinschlag), die in der Regel signalisiert oder gesichert sind. Wanderwege können ohne besondere alpine Kenntnisse und Fertigkeiten begangen werden. Als Ausrüstung genügen Sportschuhe und der Witterung angepasste Kleidung.
Zur Erklärung: Wanderwege im Dauersiedlungsraum und dem unmittelbar anschließenden Wald wird man auch Spaziergängern ohne spezielle Ausrüstung, Kenntnisse, Erfahrung und Kondition zumuten können. Entscheidend dafür ist, dass die Gefahr des Verirrens praktisch nicht gegeben ist, man rasch feste Stützpunkte erreichen kann und diese Wege in der Regel gefahrlos begangen werden können. Zum Teil sind jedoch auch im Tal gewisse Gefahren nicht auszuschließen. Denn auch im Dauersiedlungsraum und dem unmittelbar anschließenden Wald gibt es vereinzelt Wege, die mit Vorsicht zu begehen sind.
Wanderwege werden auf den gelben Wegweisern ohne Farbpunkt signalisiert.
Bergwege
Bergwege sind für Bergwanderer bzw. Bergsteiger während der schneefreien Zeit bestimmte, gebahnte und markierte Gehstrecken, die außerhalb des Dauersiedlungsraumes, vornehmlich oberhalb der Waldgrenze im alpinen Gelände, jedoch nicht über Gletscher verlaufen. Sie können besonders bei schlechtem Wetter rutsch- und absturzgefährlich sein, stellen besondere Ansprüche an die Bergtüchtigkeit und Erfahrung und erfordern gute Trittsicherheit und Ausdauerleistungsfähigkeit. Als Mindestausrüstung erfordern sie stabile Bergwanderschuhe, funktionelle Bergbekleidung sowie Orientierungs- und Notfallmaterial samt Erste-Hilfe-Paket, Mobiltelefon und Biwaksack.
Mittelschwierige und schwierige Bergwege unterscheiden sich insbesondere durch die Anforderung an die Schwindelfreiheit sowie die Länge der ausgesetzten bzw. versicherten Abschnitte:
Bergweg: mittelschwierig (rot)
KURZFASSUNG:
Charakteristik: mittelschwierig, oft schmal und steil, stellenweise ausgesetzt (Absturzgefahr), kurze versicherte Gehpassagen oder kurze Abschnitte mit Händen zur Gleichgewichtsunterstützung, markiert und beschildert
Zielgruppe: trittsichere, geübte Bergwanderer
Voraussetzung: gute körperliche Verfassung, Bergerfahrung zur Erkennung und Beurteilung alpiner Gefahren auf Bergwegen, Bergausrüstung, gute Wetterverhältnisse
AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG:
Mittelschwierige („rote“) Bergwege sind überwiegend schmal und oft steil angelegt und können stellenweise ausgesetzt sein. Kurze drahtseilversicherte Gehpassagen oder ungesicherte Abschnitte, für die der Gebrauch der Hände zur Unterstützung des Gleichgewichts vorteilhaft ist, können enthalten sein. Diese Wege sollten nur von trittsicheren, geübten und ausdauernden Bergwanderern mit entsprechender Bergausrüstung und alpiner Erfahrung bei guten Wetterverhältnissen begangen werden.
Bergweg: schwierig (schwarz)
KURZFASSUNG:
Charakteristik: schwierig, großteils schmal und steil, sehr ausgesetzt (Absturzgefahr), längere versicherte Abschnitte oder Kletterpassagen, markiert und beschildert
Zielgruppe: schwindelfreie, trittsichere, alpin erfahrene Bergsteiger
Voraussetzung: sehr gute körperliche Verfassung, Bergerfahrung zur Erkennung und Beurteilung alpiner Gefahren auf Bergwegen, Bergausrüstung, mitunter alpine Sicherungsmittel, gute Wetterverhältnisse
AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG:
Schwierige („schwarze“) Bergwege sind schmal, oft steil und sehr ausgesetzt angelegt. Es kommen gehäuft drahtseilversicherte Abschnitte oder einfache ungesicherte Kletterstellen, die den Gebrauch der Hände zur Fortbewegung erfordern, vor. Mitunter ist eine Sicherung von Ungeübten oder Kindern mittels Seil erforderlich. Diese Wege sollten nur von trittsicheren, schwindelfreien, konditionsstarken und alpin erfahrenen Bergsteigern mit entsprechender Bergausrüstung bei guten Wetterverhältnissen begangen werden.
Zur Erklärung: In das Gebirge führende Bergwege setzen stets Bergerfahrenheit und Trittsicherheit voraus. Sind solche Wege mehr oder weniger ausgesetzt, ist auch ein entsprechendes Maß an Schwindelfreiheit erforderlich. Besteht auf Wegstrecken eine Seilversicherung gegen Absturz, sind trotzdem die Anforderungen an die Schwindelfreiheit zu prüfen. Auch auf steilen, nassen und grasbewachsenen Hängen sowie auf Schneefeldern im Frühsommer besteht erhebliche Rutsch- und Absturzgefahr. Im Spätherbst und in schneearmen Wintern ist vom Bergwanderer insbesondere auch die Vereisung des Bodens als typische alpine Gefahr zu berücksichtigen. Bergwege erfordern eine gute körperliche Verfassung und eine alpine Mindestausrüstung, schwierige Bergwege mitunter sogar alpine Sicherungsmittel zur Führung und Sicherung von Kindern und Ungeübten. Im Gebirge muss mit Wetterstürzen gerechnet werden, die Regen, Schnee, Kälte, Wind, Nebel und Blitzgefahr mit sich bringen. All diese Faktoren müssen bei einer Bergwanderung rechtzeitig berücksichtigt werden, da ein jederzeitiger Rückzug aus Gefahrenzonen am Berg nicht immer möglich ist.
Mittelschwierige Bergwege werden auf den gelben Wegweisern mit rotem Punkt, schwierige Bergwege mit schwarzem Punkt signalisiert.
Alpine Route:
KURZFASSUNG:
Charakteristik: weglos bzw. Tritt- oder Steigspuren, freies, ungesichertes alpines Geh- und Klettergelände, Gletscher, in der Regel weder angelegt, markiert noch beschildert
Zielgruppe: schwindelfreie, trittsichere, hochalpin erfahrene Bergsteiger Voraussetzung: ausgezeichnete körperliche Verfassung, umfassende Bergerfahrung zur Erkennung, Beurteilung und Vermeidung alpiner Gefahren, Kletter- bzw. Gletscherausrüstung, Sicherungs- und Orientierungsmittel, gute Wetterverhältnisse
AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG:
Alpine Routen führen in das freie alpine bzw. hochalpine Gelände und sind keine Bergwege im vorangegangenen Sinne. Alpine Routen sind oft über jahre- oder jahrzehntelange Begehung „gewachsen“. Sie können zwar durch Trittspuren, die durch häufige Begehungen entstanden sind, im Gelände als Steige sichtbar aber auch spurlos sein. Alpine Routen haben in der Regel keine Wegnummer, keinen Wegehalter und werden weder angelegt noch gewartet. Auf alpinen Routen darf daher nicht mit einer Markierung oder Beschilderung als Orientierungshilfe gerechnet werden. Sie können exponierte, ausrutsch- und absturzgefährdete sowie ungesicherte Geh- und Kletterpassagen enthalten und über Schrofengelände, Geröll, steile Schneefelder, Firnflächen oder Gletscher führen. Ihre technische Schwierigkeit kann jene von schwierigen Bergwegen übersteigen. Alpine Routen erfordern absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, Konditionsstärke, Orientierungsvermögen, sichere Gelände- und Gefahrenbeurteilung, umfassende hochalpine Berg bzw. Klettererfahrung und Vertrautheit im Umgang mit der erforderlichen Alpin-, Orientierungs- und Notfallausrüstung (z.B. Seil, Pickel, Steigeisen, Kompass, GPS etc.) sowie gute Wetterverhältnisse.
Zur Erklärung: Alpine Routen verlaufen dort, wo der Bedarf eines Bergweges nicht gegeben ist oder der notwendige Sicherheitsstandard eines Bergweges nicht erreicht werden kann. Auf alpinen Routen stellen bauliche Maßnahmen die absolute Ausnahme dar. Die Verkehrssicherungspflicht kommt hier zwar nicht zur Anwendung, da jeder, der eine alpine Route begeht oder klettert, dies in völliger Eigenverantwortlichkeit tut. Sobald auf alpinen Routen in die natürlichen Gegebenheiten eingegriffen wird (z.B. durch Markierung, Kunstbauten, Wegebau etc.), stellen sich Haftungsfragen. Alpine Vereine bzw. Tourismusverbände, die alte Sicherungseinrichtungen entfernen und sie durch moderne ersetzen, müssen daher beachten, dass die neuen in Ausführung und Anbringung dem Stand der Technik entsprechen. Bei Berichten über alpine Routen wird empfohlen, darauf hinzuweisen, dass allfällige Sicherungseinrichtungen – gleich wie in alpinen Kletterrouten – nicht gewartet werden.
Alpine Routen werden auf den gelben Wegweisern mit dem Dreiecksymbol „Alpine Route!“ signalisiert.
Quelle / weitere Informationen
Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Sport (Hrsg.) (2018): Wander- und Bergwegkonzept des Landes Tirol. Tiroler Bergwege-Gütesiegel. - Innsbruck. online: https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/sport/berg-und-ski/downloads_berg_und_ski/2022/TirolerBergwegekonzept2022.pdf .
Verantwortlich für die Erstellung und Herausgabe ist das Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Sport. Die inhaltliche Ausarbeitung erfolgte durch Fachautor*innen und Redakteure der Abteilung Sport. Das Konzept legt die Grundlagen für die einheitliche Einstufung von Wander- und Bergwege, sowie das Tiroler Gütesiegel - Bergwege.
Kontakt

Provinz Trient / Dienststelle für Sport und Tourismus
Emma Giacomelli Boldrini
Via Romagnosi 9, I-38122 Trient
Land Tirol / Abteilung Forstorganisation
Lucia Felbauer
Bürgerstraße 36, A-6020 Innsbruck