Arbeit im Haushalt oft die einzige Berufschance für junge Frauen vom Land
Vor allem Mädchen vom Land wurden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von ihren Eltern in die Städte geschickt, um dort die Hauswirtschaft zu erlernen, in wohlhabenderen Haushalten zu arbeiten und die Familien zu unterstützen. Obwohl diese Dienstmädchen einen wichtigen Teil „ihrer Familien“ bildeten, blieben sie oft zeitlebens von ihren Arbeitgebern abhängig und standen in der Hierarchie der Dienstboten meist ganz unten. Für Frauen aus den untersten sozialen Schichten, die nicht auf einem Bauernhof lebten oder dienten, war dies jedoch häufig die einzige Erwerbsmöglichkeit. Zwar verbesserte das österreichische Hausgehilfengesetz von 1920 ihre rechtliche Stellung formal, ihre Abhängigkeit wurde jedoch weiterhin als „natürliche“ soziale Ordnung betrachtet – wie der Allgemeine Tiroler Anzeiger am 11. Jänner 1926 in einem Bericht zum „Fest der Treue“ aufzeigt:
„Nach der Pontifikalmesse ergriff Seine Gnaden Dr. Sigmund Waitz das Wort zur Festpredigt, in der er auf die Zeitgemäßigkeit dieses Festes hinwies; […] Ein Dienstmädchen, das seine Pflichten treu erfüllt, ist ein Segen für die Familie. Eine ‚Stütze der Hausfrau‘ wird es genannt, ich weiß einen schöneren Titel ‚Eine Stütze der Mutter‘. Das Dienstmädchen nimmt der Mutter die Arbeit weg, damit sich diese umso mehr ihrer Pflicht, der Kindererziehung, widmen kann. […] Es gibt verschiedene Berufe für die Frauenwelt neben dem Hausfrauen- und Mutterberuf, aber keiner entspricht dem weiblichen Wesen mehr als der Beruf des Dienstmädchens.
[…] Was aber gibt die Familie dem Dienstmädchen? Durch den Lohn hat das Dienstmädchen eine Lebensstelle und den Lebensunterhalt. Der Arbeiter ist seines Lohnes wert, vor allem wert, wenn das Dienstmädchen seine Pflicht so erfüllt hat, wie ich es im ersten Teile sagte. Der Lohn ist aber nicht ausreichend. Die Familie ist für den Dienstboten eine Schule, eine Schule zum hehren Berufe der Mutter und Hausfrau. […] Die Familie ist ihm Schutz und Heim.
Das geordnete Dienstmädchenwesen schützt die christliche Familie vor den modernen Bestrebungen, die zuerst die Dienstboten gegen die Familie und dann die Kinder gegen die Eltern aufbringen wollen. […] Uns aber gibt der Völkerapostel das Programm, indem er zuerst von den Pflichten des Mannes und der Frau spricht, dann von den Pflichten der Kinder gegen die Eltern und umgekehrt und schließlich von den Pflichten der Dienstboten gegen die Herrschaft und der Herrschaft gegen die Dienstboten. Ohne Gehorsam gibt es in der Familie keinen Frieden. Die Dienstboten sollen gehorchen wie sie Christus gehorchen würden. […] Es soll ein inniges Zusammenleben zwischen Dienstboten und Herrschaft sein wie es früher in Tirol allgemein üblich war, veredelt und getragen von übernatürlichen Motiven. […] Ein treuer Diener sei dir soviel wert, wie deine eigene Seele!“