Wie Kufstein zu seinem Andreas-Hofer-Denkmal kam
Bronzestatue war ursprünglich für Wien bestimmt

Das Andreas-Hofer-Denkmal am Kalvarienberg von Kufstein feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. © Rufus46, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Eigentlich war die Andreas-Hofer-Statue des Wiener Bildhauers Theodor Khuen für die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt Wien gedacht. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Ausrufung der Republik Österreich verloren historische Persönlichkeiten wie Andreas Hofer, die man mit monarchistisch-patriotischen Werten verband, an öffentlichen Rückhalt, und das Denkmal war – angesichts ganz anderer Sorgen – in Wien nicht mehr populär. Daher veräußerte der Verein der Tiroler in Wien die Bronzestatue an das Land Tirol. Als neuer Standort wurde Kufstein gewählt, da es dort im Unterschied zu anderen Städten wie Innsbruck noch kein repräsentatives Andreas-Hofer-Denkmal gab und dies außerdem zur politischen Losung „Tirol von Kufstein bis Salurn“ passte.
Der Allgemeine Tiroler Anzeiger berichtete am 8. Jänner 1926 über das Andreas-Hofer-Denkmal in Kufstein, das im Sommer desselben Jahres eingeweiht wurde und bis heute am Kalvarienberg steht:
„Die für das zu errichtende Andreas-Hofer-Denkmal bestimmte Bronze-Statue des Andreas Hofer war ursprünglich für ein Denkmal des Andreas Hofer in Wien bestimmt. Die veränderten Verhältnisse dortselbst in der Nachkriegszeit brachten es mit sich, daß man von der Errichtung des Denkmales in Wien Abstand nahm. Der Verein der Tiroler in Wien, der die Anregung zur Errichtung des Denkmales gegeben hatte, bot sohin die bereits fertiggestellte Statue dem Lande Tirol an und durch Vermittlung des Landeshauptmannes Dr. Stumpf gelang es den Bemühungen des Kufsteiner Bürgermeisters Pirmoser, die Denkmal-Statue für Kufstein sicherzustellen.
Der vom Fabrikanten noch geforderte Rest-Betrag wurde durch eine Spende der Kufsteiner Bauern- und Gewerbekassa gedeckt und so befindet sich die Statue bereits seit zweieinhalb Jahren in Kufstein und harrt der Aufstellung. Ein hierfür eigens eingesetzter Denkmal-Ausschuß erörterte zunächst die verschiedenen Probleme für die örtliche Lage des Denkmales und es schien die ganze Angelegenheit ins Stocken geraten zu sein, als die Ortsgruppe der Tiroler Landsmannschaft es sich zur Aufgabe stellte, die Errichtung des Denkmals in die Hände zu nehmen und zu einem glücklichen Abschluß zu bringen. Nach längeren Bemühungen gelang es, in der örtlichen Frage eine Einigung zu erzielen, und zwar soll das Denkmal mit Genehmigung des Stadtmagistrates an der Spitze des heutigen Kalvarienberges, dort, wo heute die Kapelle steht, errichtet werden. Der Platz ist gut gewählt, da sich der Kalvarienberg über die ganze Stadt erhebt, von allen Plätzen und Gasthöfen aus ersichtlich ist und den von Nord und Süd einfahrenden Eisenbahnzügen schon von weitem entgegengrüßt. Da der Hügel überdies mit entsprechenden Promenadenwegen und Bänken ausgestattet werden soll, auch für das gleichzeitig von der Stadt Kufstein zu errichtende Krieger-Denkmal bestimmt ist und einen schönen Aussichtspunkt bildet, wird er ein von Fremden und Einheimischen vielbesuchter Aufenthaltsort werden. Da sich auch alle patriotischen und völkischen Veranstaltungen künftig vor dem Denkmal abspielen werden, ist der heutige Kalvarienberg bestimmt, der Berg Isel von Kufstein zu werden. […]“
Maria Pichler
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