Zahlreiche Osterbräuche in Tirol sind eng mit dem Ei verbunden, das seit jeher als Symbol der Fruchtbarkeit gilt. Während Eiersuchen und Eierpecken bis heute verbreitet sind, sind andere Traditionen inzwischen teilweise in Vergessenheit geraten. Dazu zählt ein Brauch, der vor rund 100 Jahren im Pustertal noch praktiziert wurde. Wie der Volksbote am 8. April 1926 berichtete, war es in einigen Gemeinden üblich, am Ostersonntag Eier über das Hausdach zu werfen – als (vermeintlicher) Schutz vor Blitzschlägen und anderem Unglück:
„In einigen Gemeinden des Pustertales hat sich bis zum heutigen Tage der sonderbare Brauch erhalten, am Ostersonntag ‚die Eier übers Dach zu werfen‘, damit der Blitz nicht einschlage. Und so sah man auch heuer, in manchen Bauernhäusern den besten und geschicktesten Werfer 2 oder 3 Eier nehmen und mit kräftigem Wurfe über das Dach schleudern. Ist der Wurf gelungen und fliegt das Ei, ohne am Giebel anzustoßen, über das Haus, so muß es an jener Stelle, wo es niederfällt, sofort eingegraben werden. Das ist nicht immer so einfach, denn gar oft platzen die Eier und nun kann der Werfer mit aller Sorgfalt die Stücke dort, wo sie auffielen, einzeln vergraben, um ja den zündenden Blitzstrahl vom Hause fernzuhalten. War hingegen der Wurf zu kurz und berührte auch nur eines von den Eiern das Dach, so besteht nach einem alten Volksglauben Gefahr, daß das Haus vom Blitz getroffen werde. Alle Achtung vor manchen alten Bräuchen und Volkssprüchen, aber in diesem Falle handelt es sich um einen unsinnigen Aberglauben und es wäre wohl besser, wen man die ‚überflüssigen‘ Eier armen Kindern geben würde, anstatt sie über das Hausdach zu werfen. Dies dürfte mehr Blitzes- und Schicksalsschläge von Haus und Hof abhalten, als die eingegrabenen verfaulenden Eier.“