Maria Weißenstein gilt als der bedeutendste Wallfahrtsort in Südtirol. Der Überlieferung nach erschien dem kranken Bergbauern Leonhard Weißensteiner die Muttergottes und versprach ihm Heilung, wenn er ihr zu Ehren eine Kapelle erbauen würde. Dieser vergaß zunächst sein Versprechen immer wieder; als er jedoch nach einem Sturz in eine Schlucht auf wundersame Weise errettet wurde, begann er mit dem Bau der Kapelle und stieß beim Aushub im Jahr 1553 auf das Gnadenbild – so erzählt es die Legende. 1673 wurde eine Wallfahrtskirche erbaut, später kam ein Kloster hinzu. 1718 zogen die Serviten, die „Diener Mariä“, der Innsbrucker Ordensprovinz nach Weißenstein. Mit einer Unterbrechung aufgrund der Aufhebung des Wallfahrtsortes durch Kaiser Joseph II wirkten sie dort bis Ende 1925. Mit 1. Jänner 1926 wurde die nunmehr ausländische Ordensniederlassung an die venezianische Serviten-Ordensprovinz in Vicenza übergeben – mit all den damit verbundenen anfänglichen Schwierigkeiten in der Seelsorge, zumal nur ein einziger deutschsprachiger Ordensbruder in Maria Weißenstein verbleiben durfte, um der einheimischen Bevölkerung die Beichte abzunehmen.
Im Volksboten vom 14. Jänner 1926 wird ein Dank an die Innsbrucker Patres ausgesprochen:
„Den scheidenden Servitenpatres vom Kloster Weißenstein sagen wir noch recht vielmals Dank für alles Gute, das sie uns Petersbergern erwiesen haben. Viele Jahre haben sie die Sonntags-Frühmesse bei uns gelesen. Möge es ihnen im neuen Wirkungskreis, wohin sie der Gehorsam führt, recht gut gehen. Das wünschen wir ihnen aus ganzem Herzen.“
In der faschistischen Zeitung La Voce del Sella vom 8. Jänner 1926 hingegen kann man zur Übernahme lesen:
„Wie bekannt, wurde das berühmte Wallfahrtsheiligtum von Pietralba (Weißenstein), Ziel zahlreicher Pilger aus unseren Tälern, bisher von den Servitenpatres der Tiroler Provinz betreut. Durch eine jüngste Anordnung der obersten kirchlichen Behörde ist das Heiligtum nun an die venezianische Provinz desselben Ordens übergeben worden. Der Servitenorden unterhält in Italien fünf Provinzen; die venezianische Provinz betreut bereits das bekannte Heiligtum Monte Berico in Vicenza.
Die neuen Patres mögen sich sicher sein, dass sie den Namen des Wallfahrtsorts Pietralba hochhalten werden, eine wahre Oase religiöser Ruhe inmitten der dichten Fichten unserer Berge. Wir heißen sie herzlich willkommen.”
Höhepunkte in der Geschichte dieses Südtiroler Wallfahrtsortes stellen die Erhebung der Wallfahrtskirche zur Basilika Minor im Jahre 1985 und der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 17. Juli 1988 dar. Das Kloster Maria Weißenstein ist unter anderem wegen der zahlreichen Votivtafeln bekannt, die von der Dankbarkeit der Pilgerinnen und Pilger zeugen.