Die Forst- und Holzwirtschaft spielte in Tirol seit jeher eine bedeutende wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rolle. Bis heute ist Holz ein wichtiger Rohstoff für die Bauwirtschaft und dient zugleich als Brennmaterial. Schon vor 100 Jahren erwirtschafteten viele Gemeinden wesentliche Teile ihrer Einnahmen durch den Verkauf von Holz. Während heute große Maschinen, Drahtseilbahnen und LKWs die Arbeit im Wald erleichtern, war im Jahr 1926 vor allem Manneskraft gefragt – sowohl beim Fällen der Bäume als auch beim Transport des geschlagenen Holzes über Bäche und Flüsse aus steilem Gelände bis ins Tal. Dort konnten mittels Holzrechen die Stämme gesammelt, sortiert und geordnet weitertransportiert werden.
Die Tradition des Holztriftens war nicht ungefährlich und in allen Teilen des historischen Tirols verbreitet: in Südtirol und im Trentino etwa entlang der Etsch, im Bundesland Tirol im Unterinntal und in Osttirol entlang der Drau und der Isel. Sie wurde vor allem im zeitigen Frühjahr gepflegt, nachdem das Holz in den Wintermonaten geschlägert worden war, die Böden noch gefroren und die Flüsse durch die Schneeschmelze ausreichend Wasser führten.
Vom „Holzschwemmen an der Isel“ berichten die Lienzer Nachrichten am 19. März 1926:
„Ein lustiges Treiben hat sich an der Frauenklosterlend entwickelt. Schon seit einiger Zeit ist ein Holzrechen über die Isel gebaut, der in seinem konstruktiven Aussehen von ferne an Cäsars Rheinbrücke erinnert. Und in den letzten Tagen hat nun die muntere Isel die Muselstämme gebracht, die sich am Rechen stauten und sammelten. Ein ganzes Arbeiterheer, jung und alt, wurde aufgeboten, um das Holz an Land zu bringen. Man staunt über die gute Organisation, die sich dabei zeigt. Jede starke Männerhand und jeder Bub auf seinem Platz und die harte Arbeit, die viel Schweiß kostet, geht ohne Stocken. In wenigen Minuten wird ein Stamm aus dem Wasser hoch auf den mächtigen Stoß befördert. Man denkt einen Augenblick daran, was für ein großer Wohltäter doch unser deutscher [!] Wald ist: Erst steht er da in seiner grünen Herrlichkeit, macht die Heimat gesund und schön, dann wird er geschlagen und gibt unzähligen Menschen Arbeit und Brot und ist er verarbeitet, dann steht er wieder ganz nahe um uns und macht das Leben wohnlich.“