Faschistische Symbolpolitik der Denkmäler

Das ehemalige Kaiserjäger-Denkmal für die Gefallenen des Weltkriegs wurde 1917 gebaut, aber nie fertiggestellt und 1927 abgerissen, um Platz für das italienische Siegesdenkmal in Bozen zu schaffen © Südtiroler Landesarchiv/Sammlung Oberleiter Helene (058)

Vom Kaiserjägerdenkmal zum faschistischen Siegesmonument
Die faschistischen Machthaber verfolgten in Südtirol nicht nur eine faktische Italianisierung, sondern bedienten sich gezielt einer symbolischen „Politik der Denkmäler“. Diese war insbesondere in Grenzregionen – etwa in Form von Beinhäusern – sowie namentlich in Bozen von zentraler Bedeutung. Dort entstand mit dem Siegesdenkmal eines der markantesten und bis heute umstrittensten Symbole faschistischer Herrschaft in Südtirol.
Das Bozner Siegesdenkmal geht auf eine Initiative Benito Mussolinis zurück. Am 6. Februar 1926 kündigte der Diktator das Projekt in einer polemischen Rede vor der Abgeordnetenkammer an. Hintergrund dafür waren Proteste von Politikern der Weimarer Republik gegen die faschistische Unterdrückung der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols. Ursprünglich sollte das Denkmal den Gefallenen des Weltkriegs und insbesondere dem Trentiner Irredentisten Cesare Battisti gewidmet sein – eine paradoxe Entscheidung, hatte sich Battisti doch selbst stets für eine Grenze Italiens an der Salurner Klause ausgesprochen.
Innerhalb kürzester Zeit wurden rund drei Millionen Lire für den monumentalen Bau mit seiner Vielzahl faschistischer Symbole aufgebracht. Dies geschah trotz erheblicher Proteste in der lokalen Bevölkerung. Über diese berichtete das Vorarlberger Tagblatt am 24. Februar 1926 unter dem Titel „Deutsche Steuergelder für das Battisti-Denkmal“:
„Gegen den Kredit von 100.000 Lire, den Präfekturkommissär De Stefanini [sic!]aus eigener Machtbefugnis aus den Steuergeldern für den Bau des Cesare-Battisti-Denkmal bewilligt hat, wird in der Bürgerschaft lebhaft protestiert. Es zirkuliert eine Protestliste, die trotz der naheliegenden Gefahr von Repressalien durch mehrere hundert Bürger unterzeichnet worden ist. In den italienischen Zeitungen wird die Unterschriftensammlung als eine Agitation der Pangermanisten bezeichnet. Sie geht aber von mutigen Bozener Bürgern aus, die es nicht billiger können, daß ein an Stelle des Stadtrates die Geschäfte Bozens besorgender Beamter derart selbstherrlich über die Steuergelder der Einwohner verfügt. Ferner wird in den italienischen Zeitungen das Cesare-Battisti-Denkmal als ein Ersatz für das geplante österreichische Siegesdenkmal bezeichnet. In Bozen war aber nie ein Siegesdenkmal geplant gewesen, sondern der fertige Unterbau bei der Talfersbrücke [sic!] war für ein Erinnerungsdenkmal für die im Kriege gefallenen Kaiserjäger bestimmt worden. Der Unterbau gefällt den Italienern übrigens nicht, und sie wollen ihn nicht als Sockel des Cesare-Battisti-Denkmals verwenden. Präfekturkommissär De Stefanini [sic!] hat einen Brief an Mussolini gerichtet, worin der erklärt, der massige Unterbau eigne sich nicht für eine Statue der reinsten italienischen Kunst; bestenfalls seien die Steine für einen neuen Sockel zu gebrauchen. Da der Marmor für das Denkmal von den Steinbrüchen in Carrara gratis offeriert worden ist und die Statue selber aus österreichischen Kanonen gegossen werden soll, fragt man sich allgemein, was mit dem vielen Geld angefangen werden soll, das gegenwärtig gesammelt wird. Der gesammelte Betrag dürfte bereits eine halbe Million Lire übersteigen.“
Das Siegesdenkmal wurde schließlich im Sommer 1928 in Anwesenheit zahlreicher faschistischer Spitzenfunktionäre von König Vittorio Emanuele III. eingeweiht, rund zwei Jahre nach Mussolinis öffentlicher Ankündigung.
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