In den 1920er Jahren gerieten der faschistische Staat und die katholische Kirche immer wieder in Konflikt – auch in Südtirol und im Trentino. So wie das gesamte Vereinsleben versuchte die Regierung, auch kirchliche Organisationen wie die Azione Cattolica zu kontrollieren und politisch zu beeinflussen. Die Kirche kämpfte jedoch für ihre Autonomie, insbesondere in den Bereichen der religiösen Erziehung, der Jugendorganisationen und der sozialen Dienste. Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche war daher ambivalent: Trotz vorsichtiger Kooperationen, um offenen Konflikten aus dem Weg zu gehen, wurde Kritik am Faschismus geübt, wenn auch in zurückhaltender und subtiler Form. Das zeigen einige Ausschnitte aus dem Neujahrsartikel vom 1. Jänner 1926 in der katholischen Zeitung Il Nuovo Trentino:
„Gestern hörten wir bewegt die Worte unseres Bischofs, der erklärte, dass die Katholische Aktion eines der Werkzeuge der pastoralen Arbeit ist […], die trotz Schwierigkeiten und Widerständen zu greifbaren Ergebnissen führt und das Pflichtbewusstsein sowie die Festigkeit des Charakters stärkt. […] Der Prälat erinnerte an die Grundsätze der [Enzyklika] ‚Rerum Novarum‘ und an die unvergänglichen Grundlagen der Gerechtigkeit, die sie enthält. […]
Bereiten wir unseren Geist auf das Verständnis dieser heiligen Ereignisse vor und erkennen wir den Fingerzeig der Vorsehung, die unsere Nichtigkeit und Sterblichkeit stützt und leitet […]. Dies ist eine Zeit, in der die Katholiken zu großen Taten im religiösen, moralischen und sozialen Bereich berufen sind […]. Ein Geist der Nächstenliebe und Gerechtigkeit zeigt sich auch unter dem Siegel des Vatikans, und ein Geist der Unabhängigkeit und Freiheit der Kirche wurde an Heiligabend mit der Königsherrschaft Christi verkündet […].
Die Katholiken müssen Zeugnis ablegen von dieser Königsherrschaft, die Herrschaft über Herzen und Gewissen bedeutet, Verwandlung und Erneuerung des Geistes, heilsames Erinngen des sozialen Friedens und aufrichtige Brüderlichkeit christlicher Gerechtigkeit […].“