Mit 2.962 Metern ist die Zugspitze Deutschlands höchster Berg – und markiert zugleich die Grenze zum österreichischen Bundesland Tirol. Heute führen drei Bahnen auf den Gipfel: zwei auf bayerischer Seite – die Zahnradbahn Bayerische Zugspitzbahn und die Luftseilbahn Zugspitze – sowie die Tiroler Zugspitzbahn auf der österreichischen Seite.
Letztere ist die älteste der drei Verbindungen. 1926 fertiggestellt, war sie nicht nur die zweite Seilbahn Österreichs, sondern auch die erste in Nordtirol. Ihr Bau setzte neue Maßstäbe: Er brachte einen entscheidenden Impuls für Wirtschaft und Tourismus im Bezirk Reutte – und entschied den Wettlauf um die technische Erschließung des höchsten deutschen Gipfels zugunsten der Tiroler, auch wenn die Bergstation damals etwa 150 Meter unterhalb des eigentlichen Gipfels lag.
Welche Hürden und Überlegungen mit dem Projekt verbunden waren, schildert der Tiroler Anzeiger am 10. April 1926:
„Verschiedene Meister der Technik haben bereits vor Jahrhunderten den Gedanken verfolgt, den höchsten Berg Deutschlands mittels einer Bahn zu erklimmen und es bestehen auch diesbezüglich mehrere Projekte. Keines aber konnte bis heute verwirklicht werden. Die Gründe hiefür lagen meistens in den zu großen zu überwindenden Schwierigkeiten und den damit verbundenen hohen Kosten bzw. an der Unmöglichkeit der Aufbringung des Baukapitals wegen fehlender Rentabilität. Dies gilt vorwiegend den Projekten einer Schienenverbindung.
Die Zugspitze mit einer sich rentierenden Bahn zu erreichen, ist wohl nur durch eine Seilschwebebahn von möglichst kurzer Strecke, nicht allzu steil und in möglichst geschützter Lage möglich. Ein eingehendes Studium des Zugspitzmassivs ergab, daß eine solche Linie auf österreichischem Gebiete gefunden werden kann.
Es wurden drei Linien eingehend studiert, von denen eine über den Grat bei der sogenannten neuen Welt bis Ehrwald führte, die zweite Linie führte vom sogenannten Zugspitzeck ebenfalls nach Ehrwald. Die dritte Linie ist die zur Ausführung kommende Linie, welche vom Zugspitzgrat bis nach Obermoos führt. […] Als beste Trasse ergab sich nun die dritte Studie, welche es ermöglichte, in kürzester Länge ohne Zwischenstation und in sehr geschützter Lage, den Zugspitzgrat unmittelbar vor dem Gipfel zu erreichen. Die Talstation liegt in Obermoos. Die nächstgelegene Bahnstation ist die Station Ehrwald der Mittenwaldbahn. Beide Stationen sind durch eine dreieinhalb Kilometer lange und viereinhalb Meter breite Autostraße verbunden. Autobusse bringen die in Ehrwald ankommenden Fahrgäste direkt zur Talstation und zurück.“