Jeweils zehn wissbegierige und entdeckungsfreudige Oberstufenschülerinnen und Schüler aus den Städten Bozen, Innsbruck und Trient haben uns für vier Tage, vom 02. bis 05. März besucht.
Unsere Referent*innen haben der internationalen Gruppe vier Tage lang den europäischen Alltag nähergebracht und ihr Verständnis für europaweite Zusammenhänge sowie Solidarität und gegenseitige Wertschätzung gestärkt.
Ein Schüler fasste in der Reflexion zusammen: „Am meisten geholfen hat mir der Brüsselbesuch beim Verstehen von Mechanismen und Abläufen.“
Immer wieder kam die Empfehlung, die Mobilität im Rahmen von Ausbildungen oder Studium via internationaler Austauschprogramme wie Erasmus+ wahrzunehmen, ob als Praktikum oder Studienaufenthalt. Auch die Besuchergruppe wurde 2026 wieder durch Erasmus+ gefördert.
Ebenso wichtig wie das „Erleben aus erster Hand, wie unsere Heimatregionen im Herzen Europas vertreten sind“, war für unsere Gäste ausreichend Freizeit, um Brüssel kulinarisch und kulturell zu entdecken. Der Wunsch, „jede Minute optimal zu nutzen“, war entsprechend groß.vEin kulinarisches Highlight brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt: „Unserer Meinung nach ist das beste Gericht der flämische Rindfleischeintopf in der Brasserie (Carbonnade flamande).“
Zum Kick-Off am ersten Tag, nach Teambuildingaktivitäten zum besseren Kennenlernen, haben wir die einzelnen Tätigkeitsfelder der drei Regionen vorgestellt, inkl. Grußworten der Büroleiter*innen. Danach ging es direkt zur Europäischen Kommission.
Neben einer Präsentation über die Arbeitsweise und Aufgaben der Kommission, hat Mathieur Ballu (Europäische Kommission, Generaldirektion Energie, Abteilung Erneuerbare Energie ) mit uns die Energiewende und geopolitische Herausforderungen diskutiert, mit großem Blick auf den Energiemix der Zukunft.
Am Dienstag stand das Europäische Parlament im Fokus: Markus Warasin (Europäisches Parlament, Komitee für Verfassungsangelegenheiten) hat uns in die Trends der Politisierung und Polarisierung mit Einsichten zu Mehrheitsfindung, EU-Erweiterung, Krisenresilienz und Entscheidungen eingeführt.
Darüber hinaus hat uns Herbert Dorfmann (Mitglied des Europäischen Parlaments, Südtirol) persönliche Impressionen zur Arbeit in den Themenfeldern der Landwirtschaft, Kultur, Transport, Steuern und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit präsentiert. Neben Einblicken in die Arbeitsteilung zwischen Plenarsitzung und den kleineren Ausschüssen, gab es viel geopolitische Diskussion um den herausfordernden Status Quo und künftige Kooperationen mit Bezug China, Russland und den USA. MEP Dorfmann betonte hier die wichtige Rolle Europas als Zentrum einer demokratischen, handelsorientierten, regelbasierten und seriösen Welt.
Der Parlamentstag endete mit dem Besuch des Plenarsaals und des Parlamentariums, dem Museum des Europäischen Parlaments.
Ein Teilnehmer reflektierte: „Es war eine großartige und einzigartige Erfahrung, den Plenarsaal persönlich zu sehen – und allein die Vorstellung, dass dieser Raum einmal voll besetzt sein wird, ist unglaublich.“
Der Mittwoch stand unter dem Motto „Verschiedene Europäische Identitäten“. Den Auftakt bildete der Besuch beim Europäischen Ausschuss der Regionen, der die 1,2 Millionen gewählten Mandatsträger in den 27 EU-Mitgliedsstaaten repräsentiert. Der Ausschuss ist eine zentrale Institution, über die Lokalpolitik sich über die europaweite Umsetzung politischer Maßnahmen informieren, daran teilhaben und Fördermittel für Städte und Regionen einwerben kann. Für die Regionen ist er damit ein besonders wichtiger Akteur in Brüssel.
Im Haus der Europäischen Geschichte haben wir uns das gemeinsame Erbe und Zusammenwachsen der Länder angeschaut. Von Industrialisierung über Europamythen, Revolutionen, Napoleon, Weltkriegen und dem Ende des Kalten Kriegs mit kritischem Blick auf die Spannungen zwischen verschiedenen Akteuren.
Für den Nachmittag ging es zurück in die Vertretung mit Workshops zu KI und IT. Dazu eine Impression eines Schülers: “IT, KI, und Energie beschäftigen uns im Klassenzimmer im Alltag. Hier in Brüssel hatten wir die Gelegenheit das größere Bild zu betrachten und die Rolle der EU-Regulierung in diesen Bereichen zu verstehen: Innovation fördern während Rechte und Sicherheit der Bürger geschützt werden”
Am Donnerstag gab es den dritten Workshop zur Kommunikation. Zu früher Stunde motiviert, wurden hier die gesammelten Erwartungen vom ersten Tag reflektiert und in Form von Postern, Artikeln und Flyern präsentiert – Methodisch angereichert mit Stichpunkten, intensiven Farben und Bildern sowie blickfangenden Überschriften.
„Welche Bilder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Brüssel denken?“ Besonders überrascht hat die Gäste der urbane Kontrast zwischen den Vierteln: „Brüssel ist mehr als nur seine Institutionen – es ist eine lebendige Stadt, die uns alle beeindruckt hat. Wenn Sie jemals die Gelegenheit haben, sollten Sie auf jeden Fall hierherkommen!“
Zum Abschluss tauschte sich die Gruppe mit dem Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher aus, der sich zeitgleich in Brüssel aufhielt. Für ihn sei es wichtig, bei solchen Verhandlungen die Bürger in den Mittelpunkt zu stellen: „Es geht darum, europäische Bürger*innen zu sehen, nicht nur die Staaten, denn keiner von ihnen hat allein weltpolitisches Gewicht.“ Er betonte, dass in den vergangenen Krisenjahren Selbstverständlichkeiten nicht garantiert seien, es aber dennoch viele Gründe für Zuversicht gebe. An die Besucher*innen richtete er sich: „Ich bin überzeugt, es wird eine positive Zukunft. Ihr werdet sie gestalten. Die Zukunft gehört euch – und der Gegenwart.“
