Die Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments im Herbst 2025 wurde von der Forschungsagentur Verian zwischen dem 6. und 30. November 2025 in allen 27 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Dabei wurden persönliche Interviews sowie in einigen Mitgliedstaaten (Zypern, Dänemark, Finnland, Malta, Niederlande und Schweden) Video-Interviews geführt. Insgesamt wurden 26.453 Befragungen durchgeführt.
Angesichts der zunehmenden aktuellen Herausforderungen fordern die europäischen Bürgerinnen und Bürger konkretere Maßnahmen von der Union. 66 % wünschen sich ein stärkeres Engagement der EU zur Gewährleistung ihrer Sicherheit. Gleichzeitig wird der Wert der Einheit besonders deutlich: 89 % sind der Ansicht, dass die Mitgliedstaaten enger zusammenarbeiten sollten, und 73 % unterstützen die Notwendigkeit zusätzlicher europäischer Ressourcen zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Um ihre Rolle auf der internationalen Bühne zu stärken, sollte sich die EU nach Ansicht der Befragten auf drei Hauptprioritäten konzentrieren: Verteidigung und Sicherheit (40 %), Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft und Industrie (32 %) sowie Energieunabhängigkeit (29 %).
Hohe Preise wirken sich weiterhin auf den Lebensstandard der Bürgerinnen und Bürger aus, und die Mehrheit der Teilnehmenden geht davon aus, dass ihr Lebensstandard in den nächsten fünf Jahren stabil bleiben wird. Dennoch befürchtet ein bedeutender Anteil der Befragten (28 %) eine Verschlechterung, insbesondere in wirtschaftlich instabileren Ländern. Zu den von Italienern und Österreichern genannten Prioritäten gehört, dass sich das Europäische Parlament auf Wirtschaft, Arbeitsplätze, Inflation und Lebenshaltungskosten konzentrieren sollte.
Einmal mehr bestätigen die Bürgerinnen und Bürger die Bedeutung grundlegender Werte. Frieden wird als der wichtigste Wert angesehen, den das Europäische Parlament verteidigen sollte (52 %), gefolgt von Demokratie (35 %), Meinungsfreiheit (23 %), Menschenrechten (22 %) und Rechtsstaatlichkeit (21 %).
Die Wahrnehmung der EU und ihrer Institutionen bleibt trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zu Mai 2025 positiv. Eine relative Mehrheit hat eine positive Meinung von der EU (49 %, −3 Prozentpunkte), während 17 % eine negative Meinung haben. Auch das Europäische Parlament behält für 38 % der Befragten ein positives Image (−3 Punkte), während 20 % eine negative Meinung äußern. Zudem wächst die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft der eigenen Länder: 62 % halten sie für die richtige Entscheidung, ein Anstieg um zwei Punkte gegenüber der vorherigen Umfrage von Februar/März 2024.
Aus soziodemografischer Sicht erweisen sich junge Menschen erneut als die überzeugtesten Unterstützer der EU und haben hohe Erwartungen an ihre Rolle. In der Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen bewerten 58 % die Union positiv (gegenüber 43 %–49 % in den älteren Altersgruppen), und 68 % wünschen sich eine stärkere Rolle des Europäischen Parlaments (gegenüber 54 %–58 % in den anderen Gruppen). Junge Menschen halten außerdem eine stärkere Einheit zwischen den Mitgliedstaaten (90 %), mehr Ressourcen für die EU (78 %) und ein größeres Gewicht Europas auf internationaler Ebene (87 %) für wesentlich.
Zusammenfassend fordern die europäischen Bürgerinnen und Bürger von der EU ein konkretes Engagement in den Bereichen Sicherheit, Einheit und grundlegende Werte sowie eine zunehmend bedeutende Rolle auf globaler Ebene.
