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100 Jahre Annexion Südtirols: Tiroler halten am eigenen Weg fest

Südtirol ist seit 100 Jahren bei Italien. Landeshauptmann Kompatscher bricht eine Lanze für die Europaregion und plädiert für die Zukunft im Miteinander.

Der Friedensvertrag von Versailles (im Bild) war wie der spätere von St. Germain einer der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg beendeten.
Zoomansicht Der Friedensvertrag von Versailles (im Bild) war wie der spätere von St. Germain einer der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg beendeten.
100 Jahre nach der Annexion durch das Königreich Italien: LH Kompatscher erinnert an Südtirols Etappen vom leidvollen Weg mit eigenverantwortlichen Lösungen zu einer Zukunft des Miteinanders in Europa. (Foto: LPA/Ivo Corrà)
Zoomansicht 100 Jahre nach der Annexion durch das Königreich Italien: LH Kompatscher erinnert an Südtirols Etappen vom leidvollen Weg mit eigenverantwortlichen Lösungen zu einer Zukunft des Miteinanders in Europa. (Foto: LPA/Ivo Corrà)

Vor genau 100 Jahren, am 10. Oktober 1920 wurde Südtirol vom Königreich Italien annektiert. Das mehrheitlich deutschsprachige Südtirol bildete fortan Italiens nördlichste Grenzregion und wurde mit dem Trentino, dem vormaligen Welschtirol, zu einer mehrheitlich italienischsprachigen Verwaltungseinheit zusammengefasst. Die im Friedensvertrag von Saint Germain geregelte und am 10. September 1919 besiegelte Neuordnung wurde am 10. Oktober 1920 traurige Realität: Für Südtirol bedeutete sie die Abtrennung von Österreich. Dieser tiefgreifenden Weichenstellung in der Geschichte Südtirols war der Erste Weltkrieg mit seinen verheerenden Auswirkungen vorangegangen.

"Trotz leidvoller Geschichte: Identität und gutes Miteinander bewahrt"

100 Jahre später gedenken die Tiroler des nördlichen, des östlichen und des südlichen Landesteils der Teilung Tirols. "Wenn wir die höchst leidvolle Geschichte des vergangenen Jahrhunderts einmal kurz ausblenden und uns die gegenwärtige Situation vor Augen führen, können wir feststellen, dass wir es – allen Widrigkeiten zum Trotz – geschafft haben, unsere Identität und ein gutes Miteinander zu bewahren", erklärt dazu Landeshauptmann Arno Kompatscher.

"In schwierigen Siutationen eigenverantwortliche Lösungen gefunden" 

"Bereits seit 1919 teilt uns eine Grenze, die in Verletzung der seinerzeit postulierten Prinzipien der Selbstbestimmung der Völker errichtet worden ist. Wir wissen, was unsere Vorfahren in der Folge erleiden mussten. Das können wir nicht ungeschehen machen. Wir können aber auch nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen", reflektiert Südtirols Landeshauptmann. "Heute finden wir uns als Teil der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino wieder und halten weiterhin an unserem eigenen Weg fest. Wir Tiroler lassen uns ungern fremdbestimmen. So haben wir im Laufe unserer Geschichte immer wieder bewiesen, dass wir auch in schwierigen Situationen eigenverantwortliche Lösungen finden. In Bezug auf die Trennung unseres Landes, ergaben sich Mittel und Wege, diese zu überwinden: im Tiroler und längst auch im europäischen Geiste."

"Zukunftsperspektive dank Autonomie und Europa" 

Heute verbinde die Tiroler Landesteile die Einsicht, dass die Zukunft nur eine gemeinsame sein könne, betont Südtirols Landeshauptmann: "Aufbauend auf einer soliden Wertebasis beschreiten wir gemeinsam den europäischen Weg. Für das vor 100 Jahren vom Rest Tirols abgetrennte Südtirol sind und bleiben die Autonomie und die Überwindung der Grenzen im Rahmen des fortschreitenden europäischen Einigungsprozesses die Zukunftsperspektive."

Die Brennergrenze sei längst vom Symbol der Trennung zum Symbol der Überwindung des Nationalismus durch die europäische Einigung geworden. "Es war auch den Gründervätern Europas nur möglich, einen gemeinsamen Weg einzuschlagen, weil sie nicht stets auf nationalen Standpunkten beharrten", unterstreicht Kompatscher: "Nun sind wir alle gefordert, unseren Beitrag zu einem guten Miteinander in Europa zu leisten."

LPA


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