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Internationaler Forschungspakt zwischen Bayern, Österreich und Südtirol für die Land- und Forstwirtschaft:

erste gemeinsame Initiative für biologischen Pflanzenschutz gestartet.

Mit der „Laimburger Traubenbürste“ zur Förderung der Lockerbeerigkeit im Weinbau hat das Versuchszentrum Laimburg bereits eine Alternative zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln entwickelt und zur Marktreife geführt © Stock
Zoomansicht Mit der „Laimburger Traubenbürste“ zur Förderung der Lockerbeerigkeit im Weinbau hat das Versuchszentrum Laimburg bereits eine Alternative zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln entwickelt und zur Marktreife geführt © Stock
Das Team aus Experten verschiedenen Forschungseinrichtungen Deutschlands, Österreichs und Südtirols definiert das gemeinsame Projekt zum biologischen Pflanzenschutz © Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwac
Zoomansicht Das Team aus Experten verschiedenen Forschungseinrichtungen Deutschlands, Österreichs und Südtirols definiert das gemeinsame Projekt zum biologischen Pflanzenschutz © Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwac
Treffen des Arbeitsgremiums mit Vetretern der verschiedenen Forschungseinrichtungen aus Österreich, Bayern und Südtirol in Wien  © Südtiroler Landesressort für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bevölkerungsschutz und Gemeinden
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Durch die aufspritzbare Mulchfolie soll der Aufwuchs von Beikräutern gehemmt werden © Versuchszentrum Laimburg
Zoomansicht Durch die aufspritzbare Mulchfolie soll der Aufwuchs von Beikräutern gehemmt werden © Versuchszentrum Laimburg

Bayern, Südtirol und Österreich haben einen internationalen Forschungspakt in der Land- und Forstwirtschaft geschlossen. Nun ist das erste gemeinsame Forschungsprojekt angelaufen, um eine biologisch abbaubare Mulchfolie zu entwickeln, die als Herbizidalternative im Obst- und Weinbau eingesetzt werden soll.

Um bestehende Forschungskapazitäten effizienter zu nutzen und Synergieeffekte zu erzeugen, haben der deutsche Freistaat Bayern, das Land Südtirol, die neun österreichischen Bundesländer sowie das für Landwirtschaft zuständige Nachhaltigkeitsministerium der Republik Österreich einen internationalen Forschungs- und Innovationspakt in der Land- und Forstwirtschaft geschlossen. „Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind nicht abstrakt, sondern sehr real“, heißt es aus dem österreichischen Nachhaltigsministerium. „Wir brauchen viel Forschung und Innovation, um unsere Kulturlandschaft in den alpinen Kernbereichen und angrenzenden Regionen zu erhalten. Zur Gewährleistung einer stabilen und wachsenden Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft, ist auch die gemeinsame Arbeit über Staatsgrenzen hinweg unabdingbar“, erklärt das österreichische Nachhaltigkeitsressort.

„Vor diesem Hintergrund verfolgt der Forschungs- und Innovationspakt das Ziel, unsere Forschungseinrichtungen stärker zu vernetzen, innovative Kooperationen auszuweiten, Schwerpunkte zu setzen, Wissen auszutauschen und Zukunftsthemen gemeinsam zu erforschen“, betont die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber. In einem ersten Schritt haben darum die Kooperationspartner im Frühjahr 2018 eine gemeinsame Forschungslandkarte erstellt, die die relevanten Forschungseinrichtungen und deren Themenschwerpunkte sowie Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsarbeiten aufzeigt. „Als erstes gemeinsames Zukunftsthema haben wir das herbizidfreie Unkrautmanagement identifiziert und nun ein Projekt zum Herbizidersatz auf den Weg gebracht“, berichtet der Südtiroler Agrarlandesrat Arnold Schuler, der den Innovationspakt für Südtirol unterzeichnet hat.

Alternativen zum Herbizideinsatz gefragt

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Allgemeinen und Herbiziden wie Glyphosat im Besonderen steht zunehmend in der Kritik. Gerade aufgrund jüngster Ereignisse ist der Einsatz von Glyphosat, dem gängigsten Herbizid in der EU für Unkrautmanagement, umstritten. Aus diesem Grunde werden innovative Alternativen zum Herbizideinsatz in der Landwirtschaft gesucht, auch um die Unkrautbekämpfung umweltverträglicher und nachhaltiger zu gestalten. „Obwohl der Einsatz von Herbiziden im Obst- und Weinbau begrenzt ist, forscht das Versuchszentrum Laimburg seit langem an biologischen und mechanischen Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen, Krankheiten und Beikräutern im Obst- und Weinbau“, erklärt Laimburg-Direktor Michael Oberhuber. „Durch die Zusammenarbeit mit Bayern und Österreich können wir zusätzliche innovative Methoden entwickeln, prüfen und in die Praxis überführen.“

Biologische Mittel und aufspritzbare Mulchfolie aus natürlichen Rohstoffen sollen chemisch-synthetische Herbizide ersetzen

Im Juli 2018 hat sich ein Team aus Experten verschiedener Forschungseinrichtungen Deutschlands, Österreichs und Südtirols getroffen, um ein gemeinsames Projekt zur Entwicklung nachhaltiger Herbizidalternativen im Obst- und Weinbau auf den Weg zu bringen. Dazu gehören biologische Mittel und eine biologisch abbaubare Mulchfolie, die aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und am „Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe“ im bayerischen Straubing entwickelt wird. Die Mulchfolie wird im Stockbereich von Weinreben bzw. im Stammbereich von Obstbäumen aufgespritzt, wo sie nach dem Aushärten den behandelten Bereich effizient abdeckt und so den Aufwuchs von Beikräutern hemmen soll. Das Versuchszentrum Laimburg ist am Projekt mit seinen Fachbereichen „Weinbau“, „Obstbau“ und „Pflanzenschutz“ unter der Leitung der Experten Barbara Raifer, Walter Guerra und Klaus Marschall beteiligt. In Feldversuchen werden die Wissenschaftler des Versuchszentrums verschiedene Varianten im Obst- und Weinbau prüfen, um deren Wirksamkeit abzuklären und zu verbessern. „Die Mulchfolie könnte eine interessante Möglichkeit in Situationen sein, wo bestehende (mechanische) Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen“, hofft Barbara Raifer, Leiterin des Fachbereichs „Weinbau“.

Dieses Projekt zum Herbiziderstz ist dabei nur ein erster Schritt in der Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit zwischen Bayern, Südtirol und Österreich. Bereits im Herbst soll beim nächsten gemeinsamen Treffen der Kooperationspartner die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden.

Das Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg ist die Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jährlich an etwa 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.


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