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Europäische Identität und Integration: Jugend und Politik diskutieren

Gibt es ein europäisches Volk? Was wiegt schwerer, die politische Angehörigkeit oder die nationale Identität? Wie schnell soll die europäische Integration vor sich gehen? Das waren drei Kernfragen, über die heute (21. März) im Palais Widmann in Bozen rund 150 Jugendliche aus der Europaregion mit Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher, mit EU-Abgeordneten und EU-Beamten diskutiert haben.

Rund 150 Jugendliche haben heute mit Politikern und Beamten über die europäische Integration diskutiert Foto: LPA/Ohnewein
Zoomansicht Rund 150 Jugendliche haben heute mit Politikern und Beamten über die europäische Integration diskutiert Foto: LPA/Ohnewein
Europa als großes Friedensprojekt: So Landeshauptmann Kompatscher bei der heutigen Europa-Diskussion zur europäischen Integration Foto: LPA/Ohnewein
Zoomansicht Europa als großes Friedensprojekt: So Landeshauptmann Kompatscher bei der heutigen Europa-Diskussion zur europäischen Integration Foto: LPA/Ohnewein

Als weltweit größtes Friedens- und Solidaritätsprojekt bezeichnete Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher zum Auftakt der Diskussionsveranstaltung Europa. "Das Projekt ist allerdings bisher nur halbherzig umgesetzt worden", so Südtirols Landeshauptmann, der sich für eine Überwindung nationaler Egoismen aussprach und bekannte, "aus meiner Sicht könnte es noch viel weiter gehen". Erfreut zeigte er sich, dass so viele Jugendliche der Einladung der Europe Direct Informationszentren von Südtirol, Trient und Tirol und der Europäischen Kommissionsvertretung in Rom gefolgt seien, um sich mit europäischen Themen auseinanderzusetzen.

Die Frage, mit der Moderator und Europaparlamentsmitarbeiter Markus Warasin die Diskussion eröffnete, galt der europäischen Identität: Nämlich, ob die 64 Jahre Integrationsprozess ein gemeinsames europäisches Bewusstsein bewirkt hätten? EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger vertrat den Standpunkt, dass Europäer außerhalb von Europa - beispielsweise in den Vereinigten Staaten oder in China - sehr wohl als solche wahrgenommen würden. "Wir selbst stellen die Unterschiede vor das Verbindende", trotz all der kulturgeschichtlichen Gemeinsamkeiten, so die EU-Abgeordnete.

Ihr Südtiroler Kollege im Europäischen Parlament, Herbert Dorfmann, verwies darauf, dass in Europa viele identitätsstiftende Elemente fehlten, wie eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Medien oder eine gemeinsame Geschichte. "Wir sind aber auf gutem Weg", so Dorfmann, gerade die Jugendlichen würden viele Hürden überwinden, vor allem die sprachlichen. Er könne sich vorstellen, dass über die Vielfalt der 28 Staaten und 250 Sprachen hinaus der gemeinsame Rahmen zunehmend an Bedeutung gewinne.

Ausgehend von den Daten des Eurobarometers, nach denen sich nur sieben Prozent der Europäer vorrangig als solche fühlen, während 38 Prozent nur ihre nationale Identität spüren, meinte Marco Brunazzo vom Zentrum Jean Monnet "die schwache Identität der Europäer ist die Stärke Europas, sie macht Europa für Staaten und Identitäten außerhalb Europas interessant".  

In der Folge wurde über den Stellenwert der politischen Angehörigkeit gegenüber der nationalen Identität gesprochen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob ein Wähler bei der bevorstehenden Europawahl einem Kandidaten mit gleicher politischer Gesinnung oder mit gleicher Staatszugehörigkeit den Vorzug geben solle. Auch die Geschwindigkeit des Intergrationsprozesses war Thema: Wie schnell soll sie voran getrieben werden? Woran sollte man sich dabei orientieren?

An der Veranstaltung unter dem Motto "Diesmal geht's um mehr" nahmen rund 150 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren von Oberschulen aus Tirol, Südtirol und dem Trentino teil, zudem waren EU-Gemeinderäte sowie Sozial- und Wirtschaftsverbände mit dabei. Das heutige Diskussionsforum ist eine von drei Verantstaltungen, zu denen die drei Europe Direct Informationszentren im Hinblick auf die Europawahlen einladen.

(jw) 


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