Europäisches Forum Alpbach – Tiroltage mit EuregioLab

Euregio-Präsident Günther Platter am Tiroltag 2020: „Wir nehmen die Zukunft der Euregio in neue Hände – gemeinsam mit der Bevölkerung“

Die Lawinensituation für die gesamte Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino auf einer gemeinsamen Plattform darstellen, einen Förderpreis für junge ForscherInnen und innovative UnternehmerInnen aus der Euregio vergeben oder eine Akademie zum umfassenden Euregio-Wissenstransfer etablieren – solche Ideen haben vielfach ihre Wurzeln in Alpbach. 2012 wurde der Tiroltag erstmals von der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ausgetragen und seither wurden zahlreiche Projekte und Maßnahmen initiiert – während der diesjährige Tiroltag angesichts der derzeitigen, noch nie da gewesenen Coronavirus-Situation vor allem digital stattfindet, steht der heurige Auftakt zum Europäischen Forum Alpbach 2020 ganz im Zeichen der Zukunft der Euregio. Euregiopräsident LH Günther Platter (Tirol), LH Arno Kompatscher (Südtirol) und LH Maurizio Fugatti (Trentino) präsentierten am Sonntag, 23. August 2020 die „Fundamentals – die Grundlagen der Zusammenarbeit in der Europaregion“. Unter diesem Motto stand nämlich der Tiroltag 2020.

>> Programm Tiroltag 23. August 2020

Gemeinsam mit den ExpertInnen des EuregioLabs diskutierten die drei Landeshauptleute die Empfehlungen hinsichtlich der verstärkten Zusammenarbeit der Europaregion. Foto:Sedlak

 

EuregioLab 2020:"Fundamentals - die Grundlagen der Zusammenarbeit in der Europaregion"

Was sind die Grundwerte der Europaregion? Was verbindet die Menschen der drei Landesteile und wie soll sich die Kooperation aufbauend auf ihren Fundamenten weiterentwickeln? Diesen und noch vielen weiteren Fragen stellten sich rund 25 Expertinnen aus der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino im Rahmen des EuregioLab in der Zeit von Dezember 2019 bis zum Tiroltag am 23. August 2020 in Alpbach.

Ziel war es, eine neue Basis für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und eine Reform des Europäischen Verbundes zur territorialen Zusammenarbeit (EVTZ) auszuarbeiten. Dementsprechend hatten die drei Landeshauptleute bereits im Vorfeld den Auftrag erteilt, im Rahmen des EuregioLabs unter der Leitung von Professor Walter Obwexer die bisherige Euregio-Zusammenarbeit zu analysieren und Empfehlungen für die Weiterentwicklung vorzulegen. Auf Basis von drei konkreten Empfehlungen wird nun das auf den Gründungsverträgen 2011 basierende Regelwerk der Europaregion modernisiert. Konkret sind die Stärkung der demokratischen Elemente durch die Ausweitung der Versammlung, die Einbeziehung von GemeindevertreterInnen und der Bevölkerung, die Errichtung von Euregio-Büros in Innsbruck und Trient sowie ein Euregio-Kulturfestival geplant.

„Die vergangenen Wochen und Monate haben gezeigt, wie wichtig die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist – vor allem in Krisenzeiten. Wir wollen und müssen dafür Sorge tragen, dass die Europaregion fit für die Zukunft bleibt. Nur so können auch nachfolgende Generationen von diesem Projekt im Rahmen des Friedensprojektes Europäische Union profitieren. Während die Bekanntheit der Euregio innerhalb der Bevölkerung steigt, fordert die überwältigende Mehrheit – nämlich 90 Prozent –, dass die Zusammenarbeit zwischen Tirol, Südtirol und dem Trentino weiter ausgebaut wird. Dem tragen wir mit den heutigen Beschlüssen und Maßnahmen Rechnung – wir nehmen die Zukunft der Euregio in neue Hände, gemeinsam mit der Bevölkerung“, betont LH Platter.

„Das Thema der ‚Fundamentals‘ ist absolut treffend gewählt. Nicht nur die aktuelle Covid-Krise, sondern bereits die Flüchtlingskrise vorher hat die Fundamente unserer solidarischen Gesellschaft erschüttert und unsere Grundwerte auf die Probe gestellt. Jetzt gilt es mehr denn je populistischen Versuchungen zu widerstehen, um keine Politik voranzutreiben, die vor Wutbürgern in die Knie geht“, betont auch LH Kompatscher. „Ich schließe mich der Einladung von Landeshauptmann Platter an, einen Blick auf die Zukunft unseres grenzüberschreitenden Bündnisses zu werfen“, sagt LH Fugatti – „umso mehr in einer so schwierigen Zeit wie der, die wir gerade durchleben, aufgrund des gesundheitlichen Notstands und seiner Folgen für das wirtschaftliche, soziale und zivile Leben. Wir müssen wieder von unserer Geschichte und unseren Werten ausgehen und gleichzeitig den Blick auf die Zukunft richten, beseelt vom Mut, innovativ zu sein und dabei unsere gemeinsame euroregionale Erfahrung zu nutzen. Ein wichtiges Ereignis ist sicherlich das zehnte Gründungsjubiläum des EVTZ, das wir nächstes Jahr feiern werden. Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, den Wert der Euregio in Europa im Interesse unserer Gemeinden und insbesondere unserer jungen Menschen hervorzuheben.“

Mitsprache in der Euregio: Rat der Gemeinden und Einbindung der Bevölkerung

Entsprechend der Empfehlungen des EuregioLabs setzt der Euregio-Vorstand gemeinsam mit den Landtagen eine Kommission ein, die sich unter der Leitung des Europarechtsexperten Walter Obwexer umgehend an die Ausarbeitung der neuen Statuten macht. Das Herzstück der Statutenreform wird die Stärkung der demokratischen Strukturen und die Einbeziehung der Bevölkerung sein: Derzeit findet alle zwei Jahre der Dreierlandtag der jeweils gewählten MandatarInnen statt. Künftig sollen auch Gemeinden verstärkt in Form eines „Rat der Gemeinden“ miteinbezogen werden. Dieser wird den Vorstand beraten. „Die Demokratie ist von unbeschreiblichem Wert. Wir müssen sie schätzen und fördern. Die Euregio setzt in dieser Form bereits europaweit Maßstäbe – mit der Erweiterung der Versammlung erhält die Europaregion ein runderneuertes Statut, das wir in einem Jahr neu in Händen halten“, kündigt LH Platter an. Die Eckpunkte des „Rat der Gemeinden“ soll bereits im Frühsommer 2021 für Gespräche mit den Gemeindeverbänden und Interreg-Räten stehen. Auch ein BürgerInnen-Rat soll implementiert werden – 2021 werde es dazu ein Pilotprojekt geben. Die konkrete Ausgestaltung wird in den kommenden Monaten ausgearbeitet.

Die Euregio vor Ort in allen drei Landesteilen

Nachdem am 1. Juli 2020 die Europaregion ihren neuen Sitz in Bozen („Waaghaus“) bezogen hat, wird es künftig auch in Innsbruck und in Trient Euregio-Büros geben: „Das Wachstum an Themen und Aufgaben der Euregio seit 2011 ist beachtlich. Derzeit ist die Europaregion in den jeweiligen Landesverwaltungen und dem Euregio-Büro in Bozen vertreten. Für eine künftig noch bessere Koordination braucht es dezentrale Anlaufstellen in allen drei Landesteilen. Daher richten wir auch in Tirol und dem Trentino Informations- und Koordinationsbüros ein, in welchen ausschließlich Euregio-Projekte mit zweisprachigem Personal unter der Führung des Generalsekretärs entwickelt und betreut werden“, sagt LH Platter. Dadurch soll der Informationsfluss verbessert und Projekte zielgerichtet und schneller umgesetzt werden.

Grenzüberschreitende Kultur und touristische Zusammenarbeit fördern

„Kultur lebt vom Austausch, Brauchtum und Tradition sowie Gemeinsamkeiten und Gegensätzen. Der Vorschlag der Expertinnen und Experten zu einem abwechselnd in allen drei Landesteilen stattfindenden ‚Euregio-Kulturfestival‘ wird jedenfalls in die Neukonzeption der Euregio mitaufgenommen“, kündigen die drei Landeshauptleute an. Angesichts der derzeitigen Situation steht eine Durchführung der Veranstaltung bereits im Jahr 2021 noch nicht fest – die Zeit soll jedoch vor allem für die Konzeption genutzt werden. Aus diesem Grund wird es im kommenden Jahr in Tirol einen Kulturstammtisch geben, bei welchem über die Ausrichtung eines solchen Festivals diskutiert wird.

Damit die Europaregion auch im touristischen Bereich gemeinsam noch besser Fuß fassen kann, wurden heute auch die Gründungsverträge eines neues EVTZ von den Landestourismusorganisationen der drei Länder unterzeichnet: „Euregio Connect“ ist ein Europäischer Verbund für Territoriale Zusammenarbeit (EVTZ), der die Zusammenarbeit seiner drei Mitglieder Tirol Werbung, IDM Südtirol und Trentino Marketing erleichtert, da die Umsetzung grenzübergreifender Projekte vor allem im Tourismus vereinfacht wird. Der Sitz dieses EVTZ ist in Innsbruck.

(Von links:) Florian Phleps (Geschäftsführer von Tirol Werbung), Erwin Hinteregger (Generaldirektor von IDM Südtirol) und Mauro Casotto (leitender Direktor von Trentino Sviluppo) bei der Unterzeichnung des Abkommens für den neuen EVTZ. Foto: Sedlak

>> EuregioLab2020: Euregio Fundamentals (Thesenpapier)


Was ist das EuregioLab?

Das EuregioLab ist eine Arbeitsgruppe bestehend aus ausgewählten Wissenschaftlern, Kulturschaffenden und Vertretern von Interessensverbänden aus allen drei Landesteilen, die sich im Vorfeld zum Europäischen Forum Alpbach mit dem Generalthema des Tiroltags auseinandersetzen. „Es geht heuer um nichts weniger als die Grundlagen der Europaregion“, unterstreicht Franz Fischler, der Präsident des Europäischen Forum Alpbach, zum Auftakt der diesjährigen Arbeiten. Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Europaregion „In den kommenden Monaten wollen wir ein Papier mit konkreten Zielen und Maßnahmen zu den ‚Euregio-Fundamentals‘ erarbeiten“, führt der bekannte Europarechtler und Leiter des Euregiolab 2020, Professor Walter Obwexer von der Universität Innsbruck aus. Das daraus resultierende Maßnahmenpapier wird bis zum kommenden Sommer fertiggestellt. Die Ergebnisse werden dann am Tiroltag des Europäischen Forums Alpbach am 23. August 2020 mit Euregio-Präsident Günther Platter und den beiden Landeshauptleuten Arno Kompatscher aus Südtirol und Maurizio Fugatti aus dem Trentino diskutiert. Arbeitsgruppen zu den institutionellen Aspekten, zu den kulturellen Wurzeln und Perspektiven sowie zur Kommunikation erarbeiten Ideenkatalog Die Ausarbeitung des Papiers wird anhand von drei Schwerpunktthemen erfolgen: Prof. Walter Obwexer leitet die Arbeitsgruppe zum Themengebiet „Institutionelle Aspekte“. Die Koordination des Themengebiets „Kommunikation“ übernimmt die Obfrau des Südtiroler Kinderdorfs, Sabina Frei. Für die Arbeitsgruppe „Kulturelle Wurzeln und Perspektiven“ konnte Professor Massimo Rospocher aus Trient gewonnen werden. Der Ideenkatalog wird im Zuge der „Tiroltage“ des Europäischen Forum Alpbach präsentiert. Diese finden vom 22.-23. August 2020 statt. Organisiert wird das EuregioLab wieder in Kooperation zwischen dem Büro der Europaregion und dem Europäischen Forum Alpbach. Unterstützt wird es zudem von den Universitäten Innsbruck, Bozen und Trient sowie von der Medizinischen Universität Innsbruck, der Europäischen Akademie Bozen und dem MCI Management Center Innsbruck.


Inhalt teilen:  Facebook google+ twitter